Herbart.
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welche das sittliche Urtheil bestimmen, sondern vielmehr umgekehrt, die Ideen werdendurch das sittliche Urtheil erzeugt. Dieses Urtheil wird ein ästhetisches genannt, weiles, wie die Urtheile über Schönheit jedes bestimmie Thun oder Wollen ohne Ver-mittlung von Begriffen, bloß auf die vollendete Vorstellung hin entweder gut heißeoder verwerfe. Ans diesem Urtheil nun und seinen Hauptarten entspringen nachHerbart die Ideen durch Abstraction. Herbart nennt sie „willenlos", wie die Ur-theile selbst, womit er ein Doppeltes sagt, einmal daß sie unabhängig sind von deinWillen des Snbjects, zweitens, daß sie auch selbst keinen höheren Willen involviren;weshalb ihnen der Charakter von Imperativen abgesprochen wird. Und darin nun, daßder Wille mit dem ästhetischen Urtheil und den Ideen einig geworden ist, besteht nachHerbart die innere Freiheit oder Sittlichkeit. Hierbei ist aber, um Herbarts Sinnvöllig zu verstehen, noch seine Auffassung des Willens zu beachten. Wie er denIdeen als solchen nichts Willenhaftes beilegt, so faßt er andererseits den Willendurchaus realistisch ohne alles ideale Element. Derselbe ist ihm eine zur That hin-drängende Kraft, wie Trieb und Begierde, und auch ebenso dunkel wie diese, d. h.an sich ohne persönliches Selbstbewußtsein; er gehört ihm zu der objectiven Seitedes Seelenlebens, während Selbstbewußtsein, ästhetisches Urtheil und Ideen auf dersubjektiven Seite liegen. Hieraus darf jedoch nicht gefolgert werden, daß das Wollennach Herbart ohne Vorstellungen sei; es ist vielmehr mit ihnen wesentlich dasselbe,die Vorstellung in ihrer vollen Ausbildung und Kraft ist Wille. Aber auch sie ge-hört wie der Wille zu der objectiven Seite der Seele und ist mit Selbstbewußtsein,Urtheil und Ideen nicht nothwendig verknüpft. Wir unsererseits sind überzeugt, daßnach der sprachlichen Festsetzung und Begrenzung Wille erst mit dem Selbstbewußl-sein beginnt. So ist denn uns der Wille wesentlich und ursprünglich eine freibewußte,zunächst ans die Jchidee sich gründende subjektive Thätigkeit. Die realistische Ansichtdes Wollens zeigt sich bei Herbart nun auch bei der Erklärung der besonderen Mo-mente. Er redet von einem Gedächtnis des Willens, wonach mit dem Be-harren der Vorstellungen in uns, mit ihrer Wicdererinuerung auch ihre begehrendeund wollende Kraft in uns beharret. Hiermit verbindet sich diejenige Eigenschaft desWillens, welche Herbart die Motiv ität desselben genannt hat. Es ist damit ge-meint, daß wir insofern wir wollend sind, die in den Vorstellungen selbst gegründeteFähigkeit haben, unter veränderten Umständen auch anders zu wollen. — Mau könntenach dem Bisherigen meinen, daß Herbart von einem Wollen nach Grundsätzen nichtreden könne. Dies würde irrig sein. Auch den Begriff des Grundsatzes hatHerbart realistisch ausgefaßt, nur mit Beifügung des Selbstbewußtseins. In derMannigfaltigkeit des Gewollten nämlich, sagt er, behaupte einiges einen Vorzug voranderem, es werde fester und stärker gewollt. Diese Wahl entscheide sich von selbst,das Gewicht der Wünsche werde dieselben „unwillkürlich" einander unterordncn.Jene „Hervorragungcn des Objectiven" erheben sich aber zn Grundsätzen, sobalddie Selbsterfassung hinzukomme. — In diesen Momenten ist nun auch der Begriffdes Charakters gegeben, so weit derselbe zu der objectiven Seite gehört. Er wirdals die Art der Entschlossenheit erklärt, als die eigenthümliche durch die Individualitätgegebene Construction der Neigungen nach quantitativem Verhältnis derselben. Dersubjective Theil des Charakters ist dann der Geschmack, welcher über jenen objectivendie Censur zu üben hat. — Noch ist anzuführen, wie Hcrbart den Willen vonWunsch und Begierde unterscheidet. Das charakteristische Merkmal desselben istihm die unmittelbare Beziehung auf das Praktische, „der Muth der That"; Herbartbleibt auch hier dem realistischen Standpuncte treu; er sucht in der That selbst, welchedoch die Folge ist, zugleich die Ursache jener praktischen Entschiedenheit, indem er vonder bekannten Erfahrung, daß der Muth durch die gelungene That gehoben wird, sichzu der Behauptung führen läßt, daß „der Wille aus der Begierde durch die Thaterzeugt" werde. (Allgem. Pädagog. Buch III. Kap. 4.)
Der Wille, wie Herbart ihn faßt, ohne ursprüngliche ideale Anlage soll nun mitden Ideen in lebendige Verknüpfung gebracht werden, so daß er sich durch das ästhetischeUrtheil bestimmen lasse. Diese „Folgsamkeit" ihm abzugewinnen ist die Aufgabeder Erziehung. Wie sie dieselbe löse, ist die Frage der Methode. Bevor wir indiese eintreten, haben wir noch zu prüfen, ob Herbart mit seiner Aufstellung des