Gesang.
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kalischcn Genuß haben; aber darum ist die Wortsprache doch nicht für gleichgültiganzusehen; denn es ist ein Bedürfnis der Vernunft, in dem Gesungenen einen Sinnzu finden, der Hörer will wissen, was es bedeuten soll, durch unrichtiges Sprechenaber wird der Sinn nicht bloß verdunkelt, sondern wohl gar in Unsinn verwandelt.Es ist auch jammervoll, wie oft eben das Wort selbst geradezu häßlich lautet, wäh-rend es in Gestalt des Tons, also in einer Schönheitshülle aufzutretcn hat. Mandenke an die Doppellaute: au, 8u, ei, an die Sylben mit b, p, c, ee, m, n, r, st u. s. w.am Ende, wenn die Sänger die üble Gewohnheit angenommen haben, je auf den letztenLaut den Nachdruck zu legen, den voransgehendcn breitern Vocal dagegen zu kürzen,und wie werden e, i, ä gesungen, nichts zu sagen von dem „n'alles, was wirlieben, lebe." Man höre, wie in Schulen und Kirchen ausgesprochen wird, wennman das Lied singt: „mein Glaub ist meines Lebens Ruh," oder wenn die Schülersingend sprechen: „gold—ne Abend-Sonn—e," statt: ao—ldne . .. So—nnc. DasAussprechen im Gesang hat seine besondere Regeln, dre von dem Gesetze des Wohl-klangs, von dem Recht des Tones, voll zu tönen gefordert werden, und die Vcrnach-läßigung dieser Regeln und Gesetze auf den untersten Stufen rächt sich später amVolksgesang, an den Gesängen der Vereine, selbst die Dirigenten von Oratorien findenihre liebe Roth mit den freiwilligen Enthusiasten, welche sich den Chören anzuhängentrachten, ohne zu ahnen, daß das Sprechsingen auch zum Singen gehört. — Niemandsoll sagen, er sei ein Lehrer des Gesangs, der nicht sich selbst dazu geschickt gemachthat, einen Text sowohl sinn- als musikalisch-richtig aus- und vorzusprechcn, vorzu-singen, und dem es'an der Beharrlichkeit fehlt, die Schüler zum Nachsprechen undNachsingen zu bewegen.
Kräftig, correct, reinlich, säuberlich, — dasselbe was man von den Hebungen imSchreiben verlangt, — gilt ebenso für den Gesang in seiner Art; hiezu sind die bis-her namhaft gemachten Gesichtspuncte und Regeln zu verwenden und zwar vomBeginn der llebungcn an. Für das Weiterschreitcn nun aber erhebt sich die Frage
U von dem sinnlichen Hülfsmittel des Lernens, der Bezeichnung der Töne nach Tiefe
» und Höhe, nach ihrer Geltung im Takt und ihrer Stärke. Denn wohl ist es am
» Ende möglich, den Gesang allein mittelst Vormachens bis zu einem mäßigen Ziel
» voranzubringcn, wohl wird man sich nicht verbergen können, daß es immerhin und
U nicht bloß in den Schulen eine erkleckliche Anzahl von Singenden gibt, welche doch
» eigentlich nur der Spur nach mitthnn; aber in der Regel ist eine Tonzeichenschrift
» nicht zu entbehren. Welche aber für den einfachcrn Schnlzwcck zu wählen sei, ist
U immer noch nicht allgemein ausgemacht, obwohl die Zahl der sogenannten Zifferistcn
R bedeutend abgenommen hat, und es ist in dieser Hinsicht bcmerkenswcrth, daß unser
I trefflicher Auberlen (gestorben 1874 in Fellbach bei Cannstatt, Wo er bis in das
8 höchste Alter der Schule nach allen Seiten treulich und tüchtig gedient hatte), ein
» Mann, welcher den Gesang als eifriger und beharrlicher Zifferist mit großem Erfolgbetrieben, gegen das Ende seiner Laufbahn doch noch einen verschiebbaren Stab con-struirt hat, mittelst dessen er im Stande war, den Schülern die Noteunamcn der ver-schiedenen Tonleitern mit seinen Zifferrcihen in Parallele zu zeigen. Für einfacheTcnfolgcn genügt allerdings die Ziffer, aber je mehr Ausweichung in andern Ton-arten, je unhandlicher und unverständlicher wird sie, dazu ist sie kaum brauchbar umden Unterschied im Werth der Noten zu bezeichnen, noch weniger für die Darstellungdes harmonischen Satzes; dazu kommt die Uneinigkeit unter den Zifferistcn selbst, welchedas ^System am Allgcmcinwerden hindert, und endlich die Rücksicht auf das sonstigeMusiciren wie auf das spätere Singen in Vereinen und dergleichen, was ja doch nachNoten geschieht. Eigentlich aber sollte man froh sein, für die Musik eine Weltschriftin den Noten zu besitzen, und dazu eine solche, welche an Bestimmtheit und Augen-fälligkeit nach allen Beziehungen nichts zu wünschen übrig läßt, und wer da weiß,aus welchen Anfängen diese Schrift sich entwickelt, wie sie in der That aus einer nurder sauren Anstrengung zugänglich gewesenen Geheimschrift für die Eingeweihten sichzu dieser allgemein verständlichen Klarheit hcrausgcbildet hat, der muß den Männern,welche daran arbeiteten, sich zum aufrichtigsten Tank verpflichtet fühlen, so oft er indie Lage kommt, ein Tonwerk aus dieser Schrift hcrauszulesen, oder in derselben fürandere darzustellcn. — Dabei jedoch empfiehlt cs sich immerhin, für den Anfang die