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Fabrikschulen.
Falk.
angestrengt werden; denn die Thätigkeit des Arbeitcns wirkt conccntrirend, währenddas Herumlummeln, abgesehen vom Bettel, erschlafft.
2) Daher können Fabrikkinder auch in einer kürzeren Schulzeit so viel oder mehrlernen, als andere arme Kinder in der vollen.
3) Sobald in einem Orte eine größere Zahl von Kindern in Fabriken thätigist, bedarf es einer eigenen Schule für sie, welche ihre Zeit mit der Fabrikarbeit inKorrespondenz seht, und wo die Gemeinde nicht im Stande ist, eine solche Schuleaus eigenen Mitteln herzustcllen, da muß den Fabrikhcrrn ihre Errichtung auferlegtwerden, als Bedingung, unter welcher sie die Kinder benützen dürfen.
4) Medicinalpolizeiliche Norm und Aufsicht muß sich der Gesundheit der Kinderin Beziehung auf Stundenzahl und Nachtarbeit annchmen.
5) Der Religions- (Confirmanden-) Unterricht und der Kirchcnbesuch muß obrig-keitlich sicher gestellt werden.*) — Vgl. hiezu §. 129, Abs. 3 der Reichsgewerbe-ordnung.
Fachlehrslistcm, s. Classen- und Fachlehrsystem.
Fähigkeiten, s. Anlagen.
Falk, Johann Daniel, als Dichter und Satiriker eine der Größen zweitenRanges im Wcimar'schen Kreise, bedeutender als Stifter der ersten deutschen Rettungs-anstalt und als Begründer der innern Mission auf pädagogischem Gebiete, wurde1768 in Danzig in einer ehrsamen Handwerkerfamilie geboren und in der reformirtenKirche getauft. Sein Vater war Perrückenmacher; die Mutter stammte aus einer inDanzig einheimisch gewordenen Genfer Familie. Im Hause herrschte eine ernsteReligiosität im positiv gläubigen Sinne; die Mutter gehörte der Brüdergemeinde an.Die Eindrücke, welche dem empfänglichen Knaben hiervon zu Theil wurden, warentief und bleibend. Im übrigen war die Erziehung sehr streng, ja zumal für den an-gehenden Jüngling wohl etwas hart und allzusehr beschränkend. Talentvoll undgeistig belebt wie er war, wurde er schon im 10. Jahre der Volksschule entzogen,um in der Werkstätte des Vaters seine Berufsbildung zu empfangen. Dem sehnsüchtignach höherer Geistesbildung Verlangenden wurden alle weltlichen Bücher verboten,wodurch jedoch nicht verhindert werden konnte, daß er im geheimen sich einer eifrigen,begreiflich ungeordneten Lcctüre ergab. Er gedachte sogar im unbestimmten Drangeder Freiheit und Thatenlust zur See in die weite Welt zu gehen und wäre fastSeelenverkäufern in die Hände gefallen, wenn nicht der Zufall und religiöse Eindrückeihn zurückgehalten hätten. Ebenso wurde er auf dem Wege zu schlechter Gesellschaftdurch den Eindruck der Kirchenmusik, die aus einem rffenstehenden Gotteshause ihmins Ohr drang, zurückgehalten und gerettet. Als er auch aus der fast unvermeidlichenGefahr des Ertrinkens beim Schlittschuhlaufen auf der Weichsel durch die treue Hin-gebung seines jüngeren Bruders gerettet worden war, sprach sich in ihm die Ueber-zeugung aus, daß er von Gott, „der sich so viele Mühe um ihn gebe," wohl nochzu etwas recht gutem bestimmt sein möge. — Unterdessen war Falk's Vater durchden Einfluß von Verwandten und Freunden dahin gebracht worden, den Bildungskreisseines Sohnes in etwas zu erweitern. Zuerst wurde Unterricht in der Musik gewährt,und Falk konnte bald bei den musikalischen Aufführungen in einer katholischen KircheMitwirken. Den Antrag des Geistlichen, katholisch zu werden, wies er unter einemThränenerguß mit den Worten: „Ehrwürdiger Vater, nein, ich bin auf Christum undCalvinum getauft und so gedenke ich auch in diesem Glauben zu sterben," ein fürallemal zurück. Der Musik folgte das Englische (der französischen Sprache wurde erim Kreise der Verwandten mächtig), und endlich gestattete der Vater den Eintritt indas Gymnasium zur Vorbereitung für das Studium der Theologie. Der Rath vonDanzig unterstützte den hoffnungsvollen jungen Mitbürger durch Stipendien. 1787
*) Von einer sehr interessanten und lehrreichen Erscheinung auf diesem Gebiet giebt Hubera. a. O. S. 48—102 ausführlichen Bericht. Wir empfehlen dringend das Buch zum Nachlesendes Einzelnen, die Sache zur Nachahmung.
Ueber die Entwicklung und den gegenwärtigen Stand der bezüglichen Gesetzgebung in Eng-land, Deutschland und der Schweiz enthalten die württ. „Blätter für das Armenwesen" 1874,Nr. 48, 4g, einen instructiven Artikel.