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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Fabrikschulen.

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zu Präventivmaßregeln sich anfgefordcrt fühlen, um die physische und moralischeDeteriorirnng eines Theiles ihrer Bevölkerung zu verhindern.*) Am meisten Sorg-falt hat die preußische Gesetzgebung den Fabrikkindern bewiesen, zuerst in dem Regu-lativ vom 9. März und 6. April 1839, sodann in dem noch weiter gehenden Gesetzvom 16. Mai 1853, dessen wesentliche Bestimmungen in die Reichsgewerbcordnungvom 21. Juni 1869, Art. 128133, übergegangcn sind. Nach denselben darf nie-mand in einer Fabrik vor zurückgelegtem 12. Lebensjahre zu einer regelmäßigen Be-schäftigung angenommen werden, überdies unter 16 Jahren nur dann, wenn derVater oder Vormund dem Arbeitgeber ein für die Controle der Ortspolizeibchördeund Schulbehörde bestimmtes Arbeitsbuch einhändigt; es sollen ferner jugendlicheArbeiter bis zum vollendeten 14. Lebensjahre täglich nur 6 Stunden bei dergleichenArbeiten beschäftigt werden und mindestens Mündigen Schulunterricht erhalten. Auchandere Regierungen haben sich der immer zahlreicher werdenden jugendlichen Fabrik-bevölkerung angenommen. So hat, vom Auslände abzusehcn, die württembergischeOberschulbehörde die örtlichen Kirchenconvente ernstlich aufgefordert (24. Januar 1859),dafür zu sorgen, daß die Schulzeit nicht verkürzt werde, und Misstände zu beseitigenoder zur Anzeige zu bringen. Mit diesen von Staatswegen da und dort erlassenenGesetzen und Verordnungen zum Schutz der Fabrikkinder giengen und gehen die Be-strebungen der Wohlthätigkeitsvereine Hand in Hand.

Die Erfolge dieser verschiedenen öffentlichen und privaten Bestrebungen sind nichtüberall gleich. Während es Fabrikanten giebt, welche die noch schwachen Kräfte derKinder ohne alle Rücksicht auf deren Zukunft auf die inhumanste Weise auöbeutenund ihnen die Wohlthat des Elementarunterrichts ganz oder größtentheils entziehen,finden sich überall rühmliche Ausnahmen sowohl von Seiten einzelner Communen,als einzelner Fabrikbesitzer. Beides zusammen wird schon lange gerühmt von Mühl-hausen, wo ein kleinerer Theil der Kinder die Fabrikschulen, der größte die Ortsschulebesucht. Dort sind sogenannte reluis, gegenseitige Ablösungen, cingeführt, so daß dieKinder, die zur Schule gehen, von anderen Kindern in ihrer Arbeit abgelöst werden.Da die in der Schule verbrachte Zeit bezahlt wird, wie wenn sie in der Fabrikgearbeitet hätten, so gehen sie gerne in die Schulen. Singen und Zählen wird währendder Arbeit getrieben. Erwähnenswert!) möchte noch sein die Fabrikschule des Staub'-schen Etablissements zu Kuchen (Württemberg), die einen Theil der musterhaftenEinrichtungen zur Arbeiterfürsorge bildet, durch welche Herr Staub auch in größerenKreisen Anerkennung erlangt hat. In Berlin bestehen seit 1841 Nachhülfeschulenzum Unterricht derjenigen Armenkinder, welche am Tage in Fabriken beschäftigt sind,in Religion, Lesen, Schreiben, Rechnen, seit 1848 auf 4 Stunden des SonntagsVormittags beschränkt, da die Kinder nach den Arbeiten des Tages zu ermüdetwaren. Dagegen haben die von der Communalbchörde Berlins 1855 errichteten vierbesonderen Fabrikschulen für die in den Fabriken beschäftigten jugendlichen Arbeiterschon nach einjährigem Bestehen wieder aufgehört.

Nicht mit Unrecht hat ein competenter Richter ausgesprochen: die Schule sollerst erfunden werden, welche die Schwierigkeiten, die der Einrichtung und Leitungsolcher Schulen bisher hindernd im Wege standen, zu lösen habe. Wir haben sieals einen Nothbehelf anzusehen, durch welchen wenigstens die schlimmsten Folgen, diedas Fabriklcben für Kinder hat, einigermaßen neutralisirt werden können. Voraus-gesetzt jedoch, daß die Arbeitszeit eine den Kräften des Kindes entsprechende ist, kanndie Arbeit in der Fabrik mit ihrem Mechanismus nicht geradezu als hinderlich undganz unvereinbar mit dem Schulunterricht angesehen werden, wenn gleich zugegebenwerden wird, daß die landwirthschaftliche Arbeit in ungleich förderlicherein Zusammen-hang mit dem Schulunterricht steht. Folgende (von A. Haubcr aufgestellten) allge-meinen Grundsätze mögen als erprobt gelten:

1) Arme Kinder, die daheim keine Arbeit haben können, sind auch im Lernenbesser daran, wenn sie in Fabriken arbeiten, vorausgesetzt, daß sie nicht über Kraft

*) Als einer der ersten und wirksamsten Beförderer der Emancipation der Kinder von demUebermaß der Fabrikarbeit ist nach V. A. Huber (Reisebriefe aus England im Sommer 1854)der bekannte Socialist Robert Owen anzusehen.