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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Dinier.

antwortlich gemacht werden; seine oft allerdings überschwänglichen Lobpreisungen derSokratik gelten dieser Kunst doch immer nur, wie er selber sie handhabte und lehrte.Denken wir überdies an den beinahe fanatischen Haß, womit z. B. Salzmann unterandern kirchlichen und Schulbüchern auch die Katechismen hätte vertilgen mögen, oderan die Gleichgültigkeit, womit Pestalozzi an denselben vorübcrgieng, so muß zuge-standen werden, daß in Dinier eine Liebe zur Kirche und ihren Institutionen auchunter dem rationalistischen Schutte wie ein Funke unter der Asche fortlebte, die esihm nicht möglich machte, den Katechismus einfach zu beseitigen, die ihn vielmehrtrieb, eine Arbeit, einen Fleiß an den Katechismus zu wenden, der da bewies, daßauch das aufgeklärte Zeitalter hier ein reiches und brauchbares Material religiöserBildung vor sich habe, das nur richtig benutzt werden dürfe, um fortwährend einegute Grundlage für den Volksunterricht zu geben, in dessen Bereich Dinier der Re-ligionsunterricht immer als das Erste und Wichtigste galt. Gewiß ist durch Dinter'sBearbeitung des Katechismus diesem bis auf bessere Zeiten auch in solchen Schulen,Seminarien re. einstweilen ein Platz bewahrt worden, die sonst viel eher geneigt ge-wesen wären, ihn als alten Plunder auf die Straße zu werfen. Weniger aller-dings können wir in seinerSchullehrerbibel" noch eine Arbeit erkennen, die derBibel selbst einen guten Dienst geleistet hätte; der innere Gegensatz zwischen demGeiste des Textes und dem Geist der Erklärung tritt dort viel greller hervor. Nurzweifeln wir billig, ob die Schullehrer, welche die Bibel nach Dinier auslegten, einebessere Auslegung gegeben haben würden, wenn Dinter nicht in ihre Hände gelangtwäre. Außerdem aber verräth sich doch auch in diesem Bibelwerk Dinter's eine Ge-sinnung, welche weder Basedow noch Salzmann noch selbst Pestalozzi gegen dieSchrift gehegt hatten. Keiner von diesen würde solch anhaltenden Fleiß darauf ver-wendet haben, die Bibel dem Volke nutzbringend zu machen. Dieser aber bleibt ge-trost bei dem stehen, was einmal da ist; er liebt sein Volk und will darum nichtum den Preis cs aufklären, daß er ihm rauben möchte, was ihm lieb und heiligist; erkennt er doch auch in solchem, was eigentlich nach seiner Meinung nicht zurSache gehört, wenigstens etwas unschädliches, also mag es stehen bleiben, bis esvon selber sich überlebt. Die Fanatiker der Aufklärung sind conscquenter als Dintercs war, denn aller Fanatismus ist rücksichtslos; Dinter dagegen ist und bleibt einPastor und behandelt auch solche Fragen aus dem Gesichtspunkt seiner Pastoral-klugheit. Ist aber nicht diese Liebe zum Volke, diese Schonung seines geistigen Erb-guts ein Zug, den wir achten müßen? Haben nicht ganz andere Männer, Theologenvon Geist und Gelehrsamkeit, denen Dinter die Schuhriemen nicht zu lösen vermochte,eben hieran, daß sie in der Gemeinde keinen andern Glauben zu haben und zupredigen vermochten, als den, der in der Gemeinde lebt, einen Halt gehabt gegen dieTheologie ihres eigenen Verstandes?

Unter den zahlreichen Schriften Dinter's, deren Aufzählung wir uns ersparenkönnen, da die meisten, wie sie zu Neustadt an der Orla auf Löschpapier gedrucktwurden, so auch indessen zu wirklicher Maculatur geworden sind, haben außer denschon genanntenUnterredungen über die Hauptstücke des kleinen lutherischen Kate-chismus (zuerst 1806 und 1809, in letzter Auflage zusammen in 13 Theilen 183133erschienen) nur noch seine zwei, wenn man sie so nennen kann, systematischen Arbeitenüber Pädagogik und Katechetik einen Werth. Es ist charakteristisch für den Mann,daß er zwei so umfangreiche Fächer je auf etlichen wenigen Bogen absolvirt, das eineunter dem Titel:die vorzüglichsten Regeln der Pädagogik, Methodik und Schul-meisterklugheit," 94 Seiten; das andere unter dem Titel:die vorzüglichsten Regelnder Katechetik," 112 Seiten. Beide sollten als Leitfaden dienen, aber sie bezeichneneben in ihrer Kürze und einfach-praktischen Haltung die ganze Art Dinter's. Origi-nales finden wir in seiner Pädagogik nicht; die Methodik ist zum einen Theil längstüberholt, zum andern auch vor Dinter schon gekannt; aber als Regeln, die ein prak-tischer Schulmann aus seiner Erfahrung giebt, sind diese Sätze immer noch beachtens-werth. Ucber seine Theorie der Katechese zu sprechen, wird sich der passendere Ort indem diese selbst betreffenden Artikel finden.

Dinier wollte sich laut der Aeußerung, die als Facfimile feiner Selbstbiographieangehängt ist nicht malen lassen,weil ein Künstler, der dies thun wollte, sich