Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Ccnjoreir.

Charakter. .

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ihre heimlichen Späher daneben. Da alle diese Aeinter der Natur der Sache nachbesondere Bedeutung in Alumnaten gewinnen, so konnten hier auch gereiftere Schülermit einer solchen Aufsicht beauftragt werden; sie waren öffentliche Vertrauensmännerschon gereiftercr Art, die den Lehrer in der Ueberwachung der großen Schülerzahlunterstützten. Man kann annehmcn, daß sich Einrichtungen obiger Art bis auf dieRousseau- Basedow'sche Zeit vielfach unverändert erhielten. Durch die Einwirkungdes Philanthropinismus wurden auch diese Institute modificirt, vorübergehend auchwohl carrikirt. In Bahrdt's Nachricht von dem Philanthr. zu Marschlins wirdS. 240 gefordert, daß jeder Schüler nach jeder Stunde jeden Schüler, mitdessen Fleiß oder Sitten er zufrieden sein konnte, auf ein Billet schreibe. Nach diesenBilletS soll im Senat daS Betragen beurtheilt werden. Man hat immer kleineDienste, wie Sorge für Kreide, Tafel rc. nöthig, für die sich ein Schüler eignet undwillig findet. Wichtiger ist es, in größeren Elasten für solche Functionen, wie Ein-sammeln und Austheilcn der Hefte rc. bestimmte Gehülfen und bestimmte Methodenzu haben. Als Monitoren werden solche Schüler bezeichnet, wenn zugleich einTheil der Functionen des alten Tensors oder Observators hinzutritt: besonders etwaAufsicht während des Lehrerwechsels, bei dem cs kaum zu vermeiden ist, daß nichtdie Elaste wenigstens 12 Minuten sich selbst überlassen bleibt. Gut erzogne Moni-toren wirken, wenn sie den geeigneten Rückhalt an Director und Lehrern haben,schon durch ihr bloßes Heraustreten als sichtbare Stellvertreter der Ordnung; diezuweilen erforderlichen Anzeigen verlieren das Gehässige durch die Pflichtmäßigkeit.Die Monitoren der Lancasterschen Schule sind nicht Aufseher, sondern Einübende,Lehrgehülfen (vgl. Hclfershstcm, Wechselseitige Schuleinrichtung).

Ccnsureu, s. Schulzeugnisse.

Centralschule, s. Schulbezirk.

Charaden, s. Räthsel.

Charakter ein griechisches Wort (von ursprünglich äußerlicherer Bedeutung,als in der wir es gebrauchen), das uns unentbehrlich geworden ist und gleichwohlunmöglich überseht werden kann. Der Charakter ist die zu persönlichem Leben ge-wordene Sittlichkeit. Er ist die Sittlichkeit mit ganz individuellem Gepräge, das mitkeinem andern vertauscht werden kann, und doch zugleich eine so selbstlose, eine so wenigsich zum Mittelpunct machende Individualität, daß sie sich vielmehr ganz an das Gutehingiebt, ja sich dafür zu opfern vermag. So ist der Charakter die Einheit vonGegensätzen des Jchs und des allgemeinen Gesetzes; aber gerade das ist's, wasihn zu etwas so interessantem, zu einem Gegenstände stets neuen Studiums macht.Allerdings haftet an dem Charakter in Vergleich mit der in allen Stücken vollkommenenGeseheserfüllung eine gewisse Beschränkung; wo Charaktere sind, da besitzt der eineTugenden, die dem andern fehlen und umgekehrt; dem einen wird etwas sehr leicht,was den andern große Ueberwindung kostet oder ihm unmöglich erscheint. Aber fürserste darf überhaupt das plus und minus von Sittlichkeit bei verschiedenen Jndividumniemals in einer äußerlichen, quantitativen, numerischen Weise taxirt werden: diechristliche Tugend ist keine Zahl, auch nicht etwa die durch Addition zu Standekommende Summe einzelner Gesinnungen und Eigenschaften; sie ist vielmehr einLeben, das wohl in viele einzelne Organe sich explicirt, aber so daß in jedem dasGanze wirkt, das nur Eines ist. Dieses sich-Jndividualisiren der christlichen Tugendist aber fürs zweite etwas schlechthin nothwendiges. So wenig cs einen Menschenin abstracto giebt, sondern nur einen in einer besonderen Form, als Mann, als Weib,mit dieser Gestalt, dieser Stimme u. s. f.: so wenig wird auch die Sittlichkeit inabstracto, als Katalog aller Tugenden, sondern nur in oonorsto, als persönlichbestimmte Tugend wirklich. Alles Concretwerden ist der Idee gegenüber eine Be-schränkung, aber gerade in dieser Beschränkung, in dieser Verdichtung des Idealen zumRealen liegt jene Energie, jene Thatkräftigkeit, wodurch das bloß gedachte und inseiner Verbindlichkeit anerkannte Gute, d. h. die Pflicht, zur Tugend wird. ImCharakter also ist diese zu ihrer vollen Wirklichkeit gelangt; im Charakter erst erreichtman diejenige Einheit von Freiheit und Nothwendigkeit, da man, was man will undthut, deswegen will und thut, weil man es nicht lassen kann, und man dennoch indiesem Wollen und Thun sich völlig unabhängig und selbständig weiß. Von einem