Druckschrift 
1 (1877) A - Liebe
Entstehung
Seite
217
Einzelbild herunterladen
 

Calvin.

Campe.

217

Schule ciu Manu, der, während C. die kirchlich politische Oberleitung hatte und derberühmte Beza der Anstalt gelehrten Glanz verlieh, in demüthiger Treue bis an seinLebensende die eigentliche Seele des Genfer Schulwesens blieb. Es war der greiseMaturin Cordier: ein Schulmeister wie Gott ihn gewollt hat. Geboren schonum 1479 war er bereits vor dem Anfang der Reformation als Jugcndlehrcr thätig.In Paris war C. selbst sein Schüler. Durch den berühmten Buchdrucker RobertEtienne (Stephanus), seinen intimsten Freund, zum Evangelium bekehrt, wandcrte erals Lehrer durch die verschiedensten Städte Frankreichs und der Schweiz. In Genfwar er schon einmal Lehrer, bevor die Reformation dort begann, dann 7 Jahre inNeucnburg, 12 Jahre Rector in Lausanne. Kaum war C. zurückgekehrt, als erbereits an der Berufung seines alten Lehrers nach Genf arbeitete. Schon im Jahre1541 beschloß der Rath, ihm eine Besoldung von 400 sl. außer dem Schulgelde, undeine Wohnung für seine Leitung der Schulen zukommen zu lassen, und Cordier wirkteseitdem unermüdlich bis an sein Lebensende für das Beste der Genfer Jugend. Wiewenig eifersüchtig er war, zeigt die Thatsache, daß er, weil er die Schüler in derobersten Classe zu schlecht vorbereitet fand, freiwillig die vierte übernahm und hierdie Elemente der lateinischen Sprache lehrte. Cordier starb 85 Jahre alt, mitten inseiner Thätigkeit, in ein und demselben Jahre (1564), in dem auch sein großerSchüler Calvin am 27. Mai sein Leben schloß. Cordier überlebte ihn noch ummehrere Monate.

Hauptwerk über Calvin: Paul Henry, das Leben Calvin's des großen Refor-mators (3 starke Dctav-Bde.) Hamburg 1835, 38 u. 44. Auszug davon ebendas.1846. Guizot, Joh. Calvin, ein Lebensbild. A. d. Fr. von Runkel. Lpz. 1847.

Campe. Joachim Heinrich Campe war 1746 zu Deensen bei Stadt-oldendorf in Braunschweig geboren. Auf der Schule zu Holzminden vorbereitet,studirtc er zu Halle Theologie und wurde 1773 Feldprediger in Potsdam. PomFürsten Franz von Dessau als Educationsrath an das Philanthropin berufen,übernahm er die Leitung desselben 1777 an der stelle des im December 1776abgetretenen Basedow. Durch seine Umsicht, Besonnenheit und solide Wirtschaftbrachte C. die Anstalt bald in Flor, sah sich aber gleichwohl schon im September1777 veranlaßt, vor der Arroganz, Unverträglichkeit und Ungezogenheit Bascdow'saus der Anstalt auszuscheiden. Er gründete nun selbst eine Erziehungsanstalt zuTrittow in der Nähe Hamburgs, welche er jedoch 1787 verließ, um dem Rufe desHerzogs Karl nach Braunschweig zu folgen, wo er im Verein mit andern gleich-strcbendcn Männern das Schulwesen reformiren sollte. Der Reformplan scheitertejedoch an dem Widerstand des Consistoriums und der Landstände. Ganz andernErfolg hatte C. als Schriftsteller und als Leiter der braunschweigischen Schulbuch-handlung, welche er später seinem Schwiegersohn Vieweg übergab. In vorgerückterenJahren verfiel er mehr und mehr in einen traurigen Zustand geistiger Schwäche undApathie, von welchem ihn den 22. Set. 1818 der Tod befreite. C. ist vorzugs-weise der Schriftsteller des Philanthropismus. Zur Verbreitung seinerPrincipien, wobei er nur die Excentricitäten Basedow'S auf ein gewißes nüchternesMaß zurückführte, diente hauptsächlich das von C. in Gemeinschaft mit C. E. Trapp,I. Stuve, C. Heufinger herausgcgebeneBraunschweigische Journal" (4 Jahrgänge178891) und dieAllgemeine Revision des gesammten Schul- und Erziehungs-wesens; von einer Gesellschaft praktischer Erzieher herausgcgcben von I. H. Campe,,(16 Bdc. 17851791), worin allerdings nur wenige Aufsätze von C. selbst, alleaber in seinem Sinn gearbeitet sind. Ihn selbst charakteristrt der Ausspruch, daßdas Verdienst dessen, der den Kartoffclbau bei uns einheimisch gemacht, oder dasSpinnrad erfunden hatte, höher als das Verdienst des Dichters einer Ilias undDdyssee anzuschlagen sei. Nebrigens enthält der 9. Band des Revisionswerks Locke'sGedanken über Erziehung, der 12.15. Rousseau's Emil, beide in deutscherUebersetzung mit zahlreichen Anmerkungen der Herausgeber. Weit bedeutender undwirksamer, als diese Schriftstellerei für die Pädagogen, waren aber C-'s Schriftenfür die Kinderwclt selbst. Er ist der eigentliche Repräsentant der Kinder-literatur, und in ihrem Gebiete hauptsächlich entwickelte er seine stauncnSwerthcFruchtbarkeit, welche sich am breitesten in derNeuen Kinderbiblicthek" und in den