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Bugenhagcn.
dürfnis des Volkes ausreichten, und auch unter diesen stand das Lesen und Singenobenan, weil das erste dem Laien die Bibel zugänglich machte, das zweite dem evan-gelischen Gottesdienst unentbehrlich war; dazu kam, als eine Hauptsache, das Memo-riren religiöser Stoffe. In den Städten schloß sich die niedere Schule als Vorstufeeng an die Gelehrtenschule an und wurde vom Schullehrer durch einen seiner Schul-gesellen besorgt; in kleineren, ärmeren Städten that es der Küster.
Sollen wir nun alles zusammenfassen, was B.'s Wirken für Begründung einesevangelischen Schulwesens in den niederdeutschen Landen charakterisirt, so haben wirfolgendes hervorzuheben: 1) Einschärfung der Pflicht christlicher Kindererziehung fürEltern und Obrigkeiten als eine von Gott gebotene und bei der Taufe der Kinderübernommene; 2) Betonung der Wichtigkeit der Schulen für geistliches und weltlichesRegiment, und darum Forderung, daß überall Schulen eingerichtet werden; 3) An-bahnung eines allgemeinen, auch die Dörfer umfassenden Volksunterrichts untergenauer Jnspcetion der Geistlichen und Obrigkeiten; 4) Anregungen zu Benützungtüchtiger Lehrer für die Fortbildung der erwachsenen Gemeindeglicder (durch Vor-lesungen); 5) Sorge für brauchbare Schulmänner und für würdige Besoldung undVersorgung derselben, dagegen strenge Fernhaltung schlechter und Bekämpfung derWinkelschulen; 6) Einführung eines mäßigen Schulgeldes, doch freundliches Mahnenzu Schonung der Armen; 7) der Unterricht im Worte Gottes, auf den Sonnabendverlegt, in engstem Zusammenhänge mit dem kirchlichen Unterricht; 8) Pflege deskirchlichen Gesanges und Einrichtung von Singechören für den Dienst der Kirche.
Die letzte organisatorische Thätigkeit B.'s galt der Stadt Hildesheim, wo Corvinmit ihn: arbeitete, lieber das spätere Leben und Wirken B.'s dürfen wir kurz sein.Nachdem der Tod Luthers ihn tief gebeugt hatte, bereiteten die Schrecken des schmal-kaldischen Krieges ihm neues Leid. Er sah seinen Kurfürsten geächtet und gefangen,die Lurherstadt belagert, die Universität der Auflösung und Zerrüttung nahe. Erselbst hielt wacker aus auf seinem Posten, während viele flohen, und als er die Schul-meister und ihre Gesellen fragte, ob sie bei ihm bleiben wollten, so hatte er dieGenugtuung, daß sie ihm erklärten, sie wollten alle bei ihm bleiben, — „und solltenwir darüber sterben (sprachen sie), so wollen wir gerne bleiben bei dem Grabe unsereslieben Vaters Ur. Martini Lutheri." Aber wegen seiner raschen Anerkennung desneuen Kurfürsten Moritz wurde er von den Freunden des alten heftig angefeindet;dann als die Wetter des Krieges sich verzogen hatten, riß man ihn in leidenschaftlichetheologische Kämpfe hinein und schmähte ihn neben Melanchthon ohne Rücksicht aufdie Verdienste eines langen Lebens. Zuletzt kamen körperliche Leiden, die endlich auchseine besten Freunde für den „ausgcarbeitetcn" Mann den Tod als Erlöser herbeiwünschen ließen. Er starb in der Nacht vom 19. zum 20. April 1558. An seinemGrabe trauerten mit seiner Wittwe und seinen Kindern viele, deren Herz er durchseine klare Besonnenheit, sein treues Gemüth, seine still aushaltende Berufsfreudigkeitgewonnen hatte.
Nicht unerwähnt darf zum Schluß B.'s Uebertragung der Bibel in das Nieder--deutscke (1533) bleiben, bei der er sich genau an Luthers Uebersetzung hielt; letztereschätzte er so hoch, daß er den 21. Septbr., an welchem Luther im I. 1542 seinWerk völlig zu Ende geführt haben soll, mit seinen Freunden und Hausgenossen alsein Fest der Bibelübersetzung begierig. Er hat durch seine Arbeit Luthers Ver-deutschung der heiligen Schrift auch in den niederdeutschen Ländern zu einem Volks-buche gemacht und so seinem großartigen Wirken in jenen Ländern die edelsteVollendung gegeben. Seine Bearbeitung der Lutherbibel erschien zuerst in Lübeck1538. Fol.
Bürgerschule, s. Stadtschule.