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1 (1877) A - Liebe
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Aesthetische Bildung tu der Volksschule.

Handwerker u. s. w. von seiner Werkstatt her uns eine Kunstarie Vorsingen könne,aber wünschen möchten wir doch, nicht nur, daß er fähig sei, ein nationales Kunst-werk, wie Handels Messias, mitzugcnießen, sondern auch, daß er am Gesang der Ge-meinde im Cultus theilnehmen könne: das aber ist schon ein Stück ästhetischer Bildung.Endlich ist diese auch dadurch zur pädagogischen Pflicht gemacht, daß durch sie dieKunsttalente, die der Schöpfer bekanntlich nicht bloß den Sprößlingen der höherenStände in die Welt mitzugeben pflegt, auch im Schooße des Volkes desto eher ge-weckt werden, was selbst wieder auf die Entwicklung der Kunst, auf ihren volksthüm-lichen und dadurch um so gesunderen Geist einwirken muß. Da nun die Volksbil-dung im ganzen zunächst Sache der Volksschule ist, so fragt es sich, welche Mitteldieser für jenen Zweck zur Verfügung stehen.

Das Allererste ist, daß der Lehrer an dem Schüler nichts positiv unsauberes undhäßliches duldet. Ungewaschene Hände, ungekämmtes Haar, unsaubere Kleidung mußschlechterdings verpönt sein. (Vgl. hiezu den Art. Anstand.) Bei Büchern undSchreibheften ist mit aller Strenge die möglichste Sauberkeit derselben zu fordern;das L-chulzimmer darf nicht unsauber sein, kein Spinnengewebe an den Wändenhängen, kein Unrath und kein Hausrath darin geduldet werden. Jeder Schmuck des-selben durch Gaben der Natur (Blumen in den Fenstern) und der Kunst ist willkommen,und wäre bei gutem Willen der Gemeinden, der Eltern, der Lehrer leicht zu beschaffen.

Nun lehrt aber weiter die Erfahrung, daß der tiefere, dauerndere Sinn für dasNaturschöne immer erst auf einem Umwege, nämlich mittelst der Kunst, zu wecken ist.Wer nie eine Landschaft im Gemälde gesehen und bewundert hat, wird auch dieschönste Landschaft, die herrlichsten Linien eines Gebirgszuges, die prächtigste Grup-pirung von Berg, Thal, Fluß und Wald gar nicht oder höchst oberflächlich bemerken.Hiefür nun hat die Volksschule allerdings die Mittel nicht; der Zeichnungsunterrichtwird hiefür noch lange ein zu elementarer sein, auch wo er eingeführt ist, und daßirgendwo ein schönes Landschaftsbild in Oel dahin sich verirrt hätte, erinnern wiruns nicht, gehört zu haben. Aber die doch meistens vorhandenen Bilder zur biblischenGeschichte, auch zum naturgeschichtlichen Unterricht können und sollen obigem Zweckedienen; wenn sie hiezu irgendwie brauchbar sind, so ist Sache des Lehrers, sie dazuauch zu benützen. Dann erst kann auch sein Wort, wenn er aus einem gemeinsamenSpaziergänge die Kinder auf die Schönheiten einer Gegend aufmerksam macht, Wir-kung haben. Wo die örtlichen Verhältnisse, namentlich die Kirchen durch ihre Bauart,ihre Ausschmückung, ihre Monumente rc., Objecte für ästhetisches Anschauen darbieten,dürfen dieselben nicht unbenützt gelassen werden. Und wenn vollends der Stunden-plan eine Zeichenstunde aufweist, ist dem Lehrer die beste Gelegenheit gegeben, denSchülern wenigstens den Sinn und das Verständnis für schöne Formen beizubringen.Selbst die bloße Kalligraphie thut hiefür manchen guten Dienst.

Zugänglicher für die Volksschule, ja in einem weiten Kreis ihr offen ist dasGebiet der Tonkunst, vorzugsweise der Gesang nur spiele der Lehrer die begleitendeVioline auch so, daß das Gehör der Kinder nicht gegen das Häßliche abgestumpftwird, sondern das Schöne eines reinen, getragenen Tones fühlen lernt, oder versteheer cs, durch sein Orgelspiel die Hörer zu fesseln. Ein kräftiger, aber reiner Gemeinde-gesang ist vieler Orten fast die einzige Kunstanschanung, die der Volksjngend zu Theilwird; doch begnügen wir uns, den Gesang hier nur erwähnt zu haben, da dem Unter-richt in demselben ein eigener Artikel gewidmet werden muß; hier stellen wir vorerstbloß fest, daß als Zweck dieses Unterrichts nicht bloß die Befähigung für den Gottes-dienst und die Schulandacht, sondern ebenso die ästhetische Bildung im allgemei-neren Sinne anerkannt und deshalb auch auf die feineren Requisite des musikalischSchönen, wie namentlich reinen Brustton, reine Anssprache u. s. w. gedrungenwerden muß.

Theils mit dem Gesang, theils ohne ihn (wiewohl immer besser mit als ohne)tritt die Poesie in den Lebenskreis der Volksschule ein. Zunächst geschieht dies inkirchlichem Gewand und für kirchliche Zwecke; aber das Kirchenlied, wie sich zu Zeitensogar alle wahre Poesie in dasselbe geflüchtet hat, ist eine so reine, edle Form desSchönen, daß wir ebendarum viel weniger nöthig haben, uns nach anderer Poesie fürdie Volksschule nmzusehen, als etwa der katholische Pädagog dies thun muß. Letzterem