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1 (1877) A - Liebe
Entstehung
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Arndt.

zuerst als Jnspector, dann als Pächter adeliger Güter ein nicht reiches, aber genügen-des Auskommen für sich und die Seinen hatte. Nachdem Arndt im einfachen, aberfür das Gemüth so reichen Landleben eine schöne und fromme Jugend verlebt undauf dem Gymnasium zu Stralsund seine wissenschaftliche Vorbildung erhalten hatte,studirte er von 17911794 zu Greisswalde Theologie und Philosophie, bereistehierauf Deutschland, Ungarn, Oberitalien, Frankreich und wurde, nachdem er sich imI. 1800 mit einer natürlichen Tochter des Professors Quistorp verhcirathet hatte,Privatdocent und 1805 außerordentlicher Professor der Philosophie zu Greifswalde.Schon 1801 starb seine Frau, nachdem sie ihm einen Söhn geschenkt hatte. Seinnie verhehlter Haß gegen Napoleon und die Franzosen machte ihm räthlich, nach derSchlacht bei Jena (1806) nach Schweden zu entweichen, wo er eine Anstellungerhielt. Im I. 1809 kehrte er zurück, erhielt auch im folgenden Jahre seine Stellewieder, nahm aber 1811 seine Entlassung und begab sich das Jahr darauf über Berlin,Breslau, Prag nach Rußland, wo er unter dem berühmten v. Stein für die Befreiungseines Vaterlandes von dem französischen Joche arbeitete. Im folgenden Jahre be-gleitete er die verbündeten Heere bis Frankfurt a. M., wo er den Winter 18131814zubrachte, bis 1815 lebte er dann in Berlin, bis 1816 in Köln. Im Herbst 1817ließ er sich, in Erwartung einer Anstellung an der Universität, in Bonn nieder und-vermählte sich mit einer Schwester Schleiermachers, Nanna Maria. Im folgendenJahre wurde er an der neugegründetcn Universität zu Bonn zum Professor der neuerenGeschichte ernannt; aber bereits 1819 mußte er gewar werden, daß, wie Varnhagensagt,ihm das herbe Loos beschicken war, Anfechtungen von solcher Seite zu erfahren,wohin er seine Liebe gewendet hatte." Er wurde in Untersuchung gezogen, suspendirt,zwar freigesprochen, aber in Ruhestand versetzt und erst 1840 durch Friedrich Wil-helm IV. rehabilitirt. Im I. 1848 wurde er vom 15. rheinischen Wahlbezirk in dieNationalversammlung zu Frankfurt gewählt, aus welcher er zugleich mit Dahlmann,H. v. Gagern u. a. am 20. Mai 1849 seinen Austritt anzeigte. Hochverehrt vonder ganzen deutschen Nation lebte der Greis fortan zu Bonn bis an seinen Tod am29. Jan. 1860.

Die glorreiche Zeit der Befreiungskriege ist die Zeit der Regeneration unseresdeutschen Volks, und für diese hat auf pädagogischem Gebiet neben Fichte unmittel-bar E. M. Arndt seine ganze Kraft eingesetzt. Schon bevor Fichte seine kühnenReden an die deutsche Nation" gehalten (Winter 18071808), hatte Arndt seinerpatriotischen Gesinnung im ersten Theile seinesGeist der Zeit" kräftige Wortegeliehen. Noch ein Jahr früher waren seineFragmente über Mensch en-bildung" erschienen (2 Theile. Altona, 1805). Hier redet er einer naturgemäßenErziehung das Wort, naturgemäß nicht im Rousseau'schen Sinne, als ob in dersinnlichen Natur des vereinzelten Individuums das Wesen des Menschen zu suchensei, sondern in dem Sinne, in welchem das geistige Theil des Menschen, seine Be-ziehung zu den Eltern, zur Familie, zur Gesellschaft, zum Vaterlande, zu Gott, rechteigentlich seine Natur ausmacht. Von diesem Standpuncte aus tritt Arndt derRousseau'schen Hofmeistererziehung, wie der philanthropistischen Jnstitutsdressurgleichmäßig entgegen, und indem er mit Pestalozzi verlangt, daß die erste Lehrerindie Mutter sei und ihr Unterricht von dem Naheliegenden, Concreten ausgehe, statuirter Liebe, Nothwendigkeit und Freiheit als die drei Mächte, welche zusammen-wirkend den Weg zum pädagogischen Heile führen. Die Wirksamkeit jener dreigroßen Erzieherinnen ist durch die natürliche leibliche und geistige Entwicklung desZöglings bedingt, welcher der Erzieher geduldig nachzugehen, nicht hastig vorzugreifenhat. Im Kind es alter offenbart sich ihm, durch die Mutter vertreten, vorzugsweisedie Macht der Liebe, unter deren Walten es lebt und spielt und spielend Gott,den Menschen und das Leben kennen lernt. Die Macht der Nothwendigkeit hatdann im wilden Knabenalter Zucht zu üben und zu fleißigem Lernen anzuhalten,bis endlich im Jünglingsalter Liebe und Nothwendigkeit zur Freiheit versöhntund damit die schöne menschliche Bildung vollendet wird. In demEntwurf derErziehung und Unterweisung eines Fürsten" (Berlin, 1813) sind dieGrundgedanken der früheren Schrift kurz zusammengefaßt und auf Fürstenerziehungangewandt nach dem Grundsätze:Ein fürstliches Kind ist ein Mensch wie alle