18
Erste Eröffnungen.
ostensible hcrvorzuziehen. Die Vorlesung derselben ward mitgroßem Interesse angehört, jedoch gcrieth der König über die indem Wiener Promemoria enthaltenen Vorwürfe und Entschuldi-gungen in heftigen Zorn; der weitere Inhalt beruhigte ihn wieder,allein er konnte sich doch nicht des Verdachts erwehren, daß manblos beabsichtige, den Krieg in die Länge zu ziehen. Solche Be-schuldigungen, Zweifel, Bedenken von der einen, Erläuterungenund Bethenerungen von der andern Seite veranlaßten ein Gesprächvon mehr als einer Stunde, dessen Inhalt wesentlich in dem vomKönige später selbst aufgesetzten Memoire wiedergcgeben ist. Dennda Fritsch die Besorgniß aussprach, die Schwäche seines Gedächt-nisses werde ihn hindern, die aufgegebene Antwort vollständigrichtig zu fassen, antwortete ihm der König lächelnd, er merkewohl, was jener von ihm haben wolle, und da er den Versicherun-gen von der Kaiserin-Königin friedliebenden Gesinnungen einst-weilen trauen wolle, so solle ihn auch die Mühe nicht verdrießen,die Feder zu gebrauchen, um so den Churprinzen in den Standzu setzen, das gute Werk des Friedens möglichst zu befördern..Da er aber des Hofes zu Wien hergebrachte Weise zu gutkenne, auch bereits das fünfzigste Jahr überschritten, mithinLehrgeld genug gegeben habe, so müsse ihm etwas Zeit gelassen,werden, um alles zuverlässig und genau anszudrücken, wie er esmeine.
Hiermit endigte die erste, ziemlich lange Audienz. Währendder darauf folgenden Tafel schien der König hauptsächlich die An-wesenden von jeder Spur der stattgehabten Unterredung ableitenzu wollen, und erging sich daher lange Zeit in Betrachtungen übersein Verfahren in Sachsen, wobei er Fritsch in keiner Weiseschonte.
Am folgenden Tage erhielt Letzterer Befehl, wieder bei Tafelund vorher beim König zu erscheinen. Beim Eintritt in dasZimmer behändigte ihm der König das Antwortschreiben an den