Erste Eröffnungen.
gewißheit, ob nicht die Einwendungen, welche in dem erwähntenDivan gegen ein derartiges Bündniß vorgebracht worden, blosdilatorischer Natur gewesen^). Obgleich sich nun später diese Be-sorgniß als unbegründet erwies, so traten dasür durch die Ergeb-nisse des Feldzugs in Sachsen andere Beweggründe hervor, welchenamentlich sür die persönliche Entschließung der Kaiserin-Königinmaßgebend gewesen zu sein scheinen.
Nachdem der Graf Kaunitz von seinem Unwohlsein so weilhergestellt war, um einer Confercnz beiwohnen zu können, fanddiese am 4. November 1762 in Gegenwart des Baron von Bin-der und der sächsischen Herren: Graf von Flemming, Geheimer-rath von Saul und Resident von Pczold statt. Das Ergebnis;derselben erhellt aus nachstehendem, athemversetzendcm Protokolle:
„Das Wesentliche des äiseonrs, worinne Se. Excellenz indem deutlichsten und bündigsten Zusammenhänge alles was dabeiin Erwegung kommt, zu erkennen gegeben, besteht darinne: DaßIhre Majestät der Kayßerin Königin beständig erinnerlich bleibe,durch was vor ein hartes und unverdientes Schicksal Se. Majestätder König von Pohlen aus Dero Erb-Landcn verdrungen worden,und solche nun schon in das siebende Jahr auf das verderblichstebehandelt sehen müssen; daß Höchstdieselben seit dem nichts unter-lassen, was die Standhafftigkeit eines so treuen Alliirtcn erfordertund nur immer die Befreiung Seiner Lande bewirken zu könnenerschienen; daß aber leider alle diese Veranstaltungen den gehoff-ten guten Ansschlag so wenig gehabt, daß vielmehr das dasigeUnglück durch die Fortdauer noch immer größer werde; daß SichJhro Maj. die Kayßerin Königin, und mit Höchstderoselben zu-gleich er, der Herr Hof- und Staats-Kanzler seines Orths, umso mehr dadurch lebhafftest gerührt fänden, als auch in der Allianzselbst, durch das allzufrühzeitige Absterbcn der Russischen Kayßerin
') Bericht des Grafen Flemming vom 10 . November 1762 .