so
Fünftes Kapitel.
Wie Sterbenden zu Muth, Wer mag es sagen?
Doch wunderbar ergriff mkch's diese Stacht;
Die Glieder schienen schon in Todes Macht.
Uhland.
Ein Fieber, von Delirium begleitet, beraubte Glyn-don einige Tage des Bewußtseins; und als er, durch Ade-la's Sorgfalt mehr als durch die Geschicklichkeit dewAerzte, Leben und Besinnung Wiede« gewann, war er un-säglich bestürzt über dis Veränderung in dem Aeußernseiner Schwester. Zuerst tröstete er sich in seiner Zärtlich-keit mit der Hoffnung, ihre vom Nachtwachen angegriffeneGesundheit werde sich mit der seinigen wieder bessern.Bald aber sah er, mit einem Schmerz, der durch Reuevergiftet war, daß die Krankheit tief wurzle — tiefer alsAeskulap und seine Arzneien reichen konnten. Ihre Phan-tasie, nicht viel weniger lebhaft als die seinige, war ent-setzlich aufgeregt worden durch die Bekenntnisse, die sieangehört, durch die Fieberträume seines Deliriums. Im-mer und immer wieder hatte er geschrieen: „Es ist da —da — neben Dir, meine Schwester!" Er hätte in ihrePhantasie das Gespenst übergetragen, und das Entsetzen,das seines Lebens Fluch war. Er errieth dieß nicht ausihren Worten, sondern aus ihrem Schweigen, — aus denins Leere hinaus starrenden Augen — aus dem Zittern,das ihren Körper befiel — aus ihrem schreckhaften Auf-fahren — aus dem Blick, der sich nicht umzusehen wagte.