Druckschrift 
5 (1842)
Entstehung
Seite
19
Einzelbild herunterladen
 

lg

Pinsel. Das genügt wenigstens, die Conception in Um-rissen festzuhalten, die sonst bis morgen verschwindenkönnte.

Die Idee, welche die Phantasie des Künsters so an-regte , war ohne Frage edel und großartig. Sie gründetesich aus den egyptischeu Brauch, welche» Diodorns be-richtet : das Gericht der Lebenden über die Todten. * Wennder Leichnam gehörig einbalsamirt, an das Ufer des ache-rnstschen See's gebracht worden ist, ist, ehe er der. Barkeübergeben wird, die ihn über das Wasser zu seiner letztenRuhestätte bringen soll, den bestellten Richtern erlaubt,alle Anklagen gegen das vergangene Leben des Todtenanzuhören, und wenn sie bewiesen werden, dem Leichnamdie Ehren des ordentlichen Begräbnisses zu versagen.

Ohne daß der Künstler selbst es wußte, waren esMejnours Schilderungen dieses Gebrauchs, den er durchverschiedene, tu Büchern nicht zu findende Anekdoten be-leuchtete, die ihm jetzt diese Idee an die Hand, und derAusführung Realität und Kraft gaben. Er dachte sicheinen mächtigen und verbrecherischen König, gegen denim Leben kaum ein Flüstern sich zu erheben wagte, abergegen den, nachdem sein Athem entstohen, der Sklave mitseinen Fesseln, das verstümmelte Opfer aus seinem Kerkerauftratcn, gelb und schmutzig, als wären sie selbst auchschon todt, und mit lechzenden Lippen die Gerechtigkeitanriefen, die über das Grab hinaus lebt.

Welch ein wunderbarer, inbrünstiger Eifer, o Künst-

» Vio-I. lud. I.