Druckschrift 
5 (1840)
Entstehung
Seite
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über eine Stirn hin, die mit ihren breiten und vollenSchläfen dem Phrcnologen das große Uebergewicht hätteverrathen mögen, das das Träumerische und Imaginativehier über die ernsteren Geistessähigkeiteu davontrugen.Ihre Augen waren tief und scharfblickend, wiesen aberjenen irren Feucrbtick, der auf den Beschauer sv mächtigwirkt, weit er ein Denken andcutct, das nicht dieser All-tagsweit angehört, und weil er jenes Bangen, jene Trau-rigkeit und jenen Schauer einflößt, wovon nur Wenige sichnicht ergriffen suhlen, wenn sic in das Antlitz des Irrsin-nigen schauen. Die Prophetin wies noch edle, an dasschöne griechische Ebenmaß der Sibille erinnernde Züge,aber ihre Wangen waren eingefallen, und nur ein rothesFleckchen schattirte deren Marmorblässe. Ihre Lippenjedoch waren voll und gcröthet, und ließen durch ihrwechselndes und unzuverlässiges Mienenspiel zwei blendend-weiße Zähnereihen wahrnehmen, die, während sie dieSchönheit des Angesichtes erhöhet«», mit einem gewissenfurchtbaren Effekt die Glnth ihrer Augen und den unklarenmystischen Ausdruck ihres plötzlichen und freudelosen Lä-chelns verstärkte». Wiesen, wie jetzt, die Mienen derDame Lichbur sich im Ruhezustände, so konnte man deut-lich erkennen, wie ihre Gesundheit zerstört und es ihr wohlnicht Vorbehalten war, noch lange auf dieser Erde zu wan-deln, auf der die Seele der Prophetin längst nicht mehrihre Hcimath fand; allein sobald sie sprach, dunkelte sichdas Roth auf ihren Wangen, und der lebhafte und schnelleWechsel ihrer Gesichtszüge täuschte den, der sie betrachtete,