Druckschrift 
4 (1840)
Entstehung
Seite
106
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ihren Weissagungen gefolgt wäre. Sie bekannte sich zninGlauben an alle Dogmen, die dem Morgenrothe der mo-dernen Philosophie vorangingen, und die fremdartige undlebhafte) jedoch düstere Beredsamkeit, die ans ihren Wor-ten scholl, verlieh den Theorien Nachdruck, welche, währendViele sie nicht verstehen konnten, desto anlockender fürWenige waren. Keiner wußte dieses Frauenzimmers Ge-burtsland, doch glaubte man, sie stammte aus dem NordenEurovas. Ihre Lebensweise gab sich zurückgezogen, ihreLebensweise ercentrisch: sie mied allen Umgang mit Men-schen, war schön, aber besaß nicht jene irdische Schönheit,welcher der Mann zu huldigen Pflegt; sic selbst auch gabsich als erhaben über den Bereich menschlicher Leidenschaf-ten. Wirklich war die seltsame Liehbur — so nannte sichdieProphetin, die vor ihren Namen den französischen Titel„Madame" angenommen hatte — keine Betrügerin, son-dern eine Fanatikern!. Die Saiten ihres Hirns warenberührt worden, und gaben einen irrenden und unvollkvmm-nen Klang zurück. Sie war toll, aber in ihrer Tollheitwar eine gewisse Methode; ein kalter, überirdischer undschauerlicher Geist wohnte in ihr und sprach ans ihr undvor der Stimme desselben schauderte sie selber zurück, sodaß sie von ihren Orakeln tiefer als ihre Zuhörer erschüt-tert ward.

In Wien und Paris hatte sie einen großen, ja einenfurchtbaren Ruf erlangt. Die Angesehensten in jenenHauptstädten hatten sich Raths bei ihr erholt und vonihren Satzungen mit einer gewissen Ehrfurcht gesprochen;