Druckschrift 
4 (1840)
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

18

Luciliens Aug' und Ohr gewöhnte sich nach und nach ansie, und was ihr anfänglich als feindselig erschienen war,bedruckte ihr jetzt geiwssenschaftlich zu seyn.

Und die Wildniß verwandelte sich; Lucilla stand aneiner ihr fremden Stätte und vor sich gewahrte sie Godol-phin, der mit innigem, trauervollcm Blicke an ihr hing.Er schien aber viel älter zu seyn als er war, und Furchentiefer Svrge hatten sich in sein Angesicht gegraben. Undüber ihm und ihr hing eine regungslose bleiche Wolke,aus der eine riesige Hand hervorlangte, und mit einemschattcnartigcn und unbeweglichen Finger nach einer Erd-gegcnd hinzeigte, die wie in dichten Nebel gehüllt dalag.Während Lucilla mit Anstrengung diese so schauerlich be-zeichnete Stätte zu überblicken strebte, kam cs ihr vor alsverschwände Godolyhin, und sie würde von Nacht, vonfinsterer, aber keineswegs stiller Nacht umringt: denn esbrausete wie das Geheul vieler Winde und tosender Was-ser, die dicht unter ihr hinznrauschen schienen; und sie hörtewie die Bäume ächzend sich beugten, und sie fühlte dieeisig an ihr hinstreifcnde Luft — die Stürme waren los-gelassen. Inmitten dieses Gemisches gewaltiger Klängeaber hörte sie deutlich die Hufschläge eines Rosses; dannerscholl wie von Godvlphins Stimme ein wilder Schrei,durch den dem Aufruhrs der Natur noch das Schauerlicheder Verzweiflung eines Menschen beigcsellr ward. DemSchrei folgte ein noch grimmigeres Brausen der Wasser,ein noch entsetzlicheres Heulen der Winde, und dann ward