Druckschrift 
1 (1840)
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

V

35

empfindlich gegen das Auslachcn. Diese so früh ent-wickelten Gcmüthseigcnthümlichkeiten, die späterhin ihmjederzeit hinderlich wurden, mit seiner natürlichen Gabezu wuchern, indem er zn stolz znm Prahlen, zn philoso-phisch zum Glänzen war, leisteten ihn, bei dieser Gelegen-heit einen trefflichen Dienst; denn fie schützten ihn gegendie Gesahr, ln die er sonst gcrathen scyn würde. Er konntenicht znm Komödienspiclen gebracht werden, so daß dieschöne Fanny den Versuch dazu verzwciflnngsvvll anfgab.

„Dennoch bleibe bei uns," sagte Fanny, „undtheile mein ärmliches Einkommen mit mir,"

Godolphin fuhr zurück; und vermöge der seltsamenWidersprüche, die sich im stolzen Mcnschenherzen vorzn-findcn pflegen, flößte dies großmüthigc Anerbieten derSchauspielerin ihm ein Mißbehagen, einen Widerwillenein, wodurch ihm das Scheiden von Fanny beinaheleicht gemacht ward. Es schien, als erkannte er mitEincmmale die zweideutige Lebensweise, der er sich hin-gegeben hatte, „Nein, Fanny," sagte er nach einer Pause,„Ich bin hier, weil ich beschlossen hatte unabhängig zuscyn; ich kann also nicht Abhängigkeit wählen,"

„Miß Millinger mögtc doch zur Leseprobe kommen,"sagte die Kleine, welche die Genien und die alten Weiberspielte, indem sie ihr Köpfchen durch die Thüre steckte,„Potztausend! ist's schon sv spät?" rief Fanny, in-dem sie auffuhr, „Da muß ich gehen, Gott befohlen!Sprich bald wieder bei mir ein — hörst Du?"

Godolphin aber ging trüb und gedankenvoll hinaus

3 "