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II. 2.
Feste wurden von einer feindseligen Presse als Arbeiterfestebezeichnet. Der eigentlich durchschlagende Vorwurf war einanderer, nämlich der, dass Cronenberg eine selbständigeArbeiterpartei gegründet hatte, mit eignen Zielen und befreitvon der ultramontanen Bourgeosie und Geistlichkeit. DieHirten sahen ihre Schäfchen, die schüchternsten und folgsamstenam Rhein, über Stock und Stein einem neuen Leithammelnachrasen, ohne mehr auf ihre Stimme zu hören. Abgesehenvon allen frommen Redensarten darüber, dass die Religiositätzu sehr in den Hintergrund gedrängt worden, — diese Selb-ständigkeit der katholischen Arbeiterschaft war die Quintessenzihrer Vorwürfe.
Im Jahre 1873 wäre die Kluft noch zu überbrücken ge-wesen, aber weder Cronenberg auf dem Gipfel seiner Machtwollte seine selbständige Stellung auch nur im geringsten auf-geben, noch die Gegenpartei wenigstens eine richtigere Taktikbefolgen; beiderseits verschmähte man es, eine ernstgemeinteVersöhnung zu suchen. Es begann statt dessen ein geheimerKampf, in welchem mit allen Mitteln der Intrigue der eineGegner den andern zu vernichten und dieser sich zu behauptensuchte, — ein um so widerwärtigeres Schauspiel, als der Kampfeinzig gegen eine Person, gegen Cronenberg, gerichtet erscheint.
Das hatte in der Zusammensetzung der Partei seinenGrund. Wer bildete dieselbe? Die Arbeiter! Diese wissenaber nichts, sie wollen nur die Verbesserung ihrer Lage undfolgen blind, wem sie ihr Vertrauen schenken oder dem, der Machtüber sie hat. Nur ein kleiner Kaufmann, der seine Eitelkeitdadurch befriedigt, dass er den Wühlhuber spielt, und einstiller, sehr braver Weber, Namens Breuer, überragen dieMasse; der Paulusverein wie die Arbeiterpartei, das war —Cronenberg. Die Ivapläne, die neben ihm wirkten, waren leichtzu gewinnen, Laaf war der letzte, der im Jahre 1877 ihn ver-liess; nur einer hat bis zuletzt treu an seiner Seite oder viel-mehr hinter ihm gestanden, der Kaplan Litzinger. DieserDoctor der Theologie, in seiner Erscheinung der rechte Stuben-gelehrte, in seinen Lebensgewohnheiten der wahre schwäbischeMagister, aber ein radikaler und kühner Denker und an Bildunguncl Geist Cronenberg überlegen, der in früheren Jahren wohlauch mitunter in die Oeffentlichkeit trat, und namentlich wenner angegriffen wurde, mit echt westphälischen Grobheiten seinenGegnern in der Presse zu Leibe ging, gab häufig im Hinter-gründe die Feldzugspläne und Ideen an. Aber vorne auf derBresche kämpfte Cronenberg, „der Kaplan“, wie er in derStadt heisst, eine grosse starke Priestererscheinung mit listigemGesichte, mit vorgeblich kurzsichtigen Augen, denen aber nichtsentgeht, und mit einer sonoren Stimme, die durch treffendenWitz in Aachener Mundart die Massen elektrisirte; — ihn galtes zu stürzen. —