Einleitung.
Der Niederrhein ist der Sitz uralter Tuchweberei. Ausden Grenzländern im Westen schon früh eingedrungen, gelangtesie im XIV. Jahrhundert zur grössten Blütlie. Aachen undKöln waren die Mittelpunkte dieser Industrie, welche eine ganzeReihe kleinerer Weherstädte bevölkerte und auf dem Landeviele fieissige Hände beschäftigte. Der allgemeine wirtschaft-liche Rückgang im XVI. und XVII. Jahrhundert traf auchdieses Gewerbe; es eoncentrirte sich im Wesentlichen in seinenalten Mittelpunkten Aachen, Burtscheid und Düren, und ausersterer Stadt übertrugen es die vertriebenen Protestantennach Vaels, Eupen und Montjoie.
Das übrige linksrheinische Gebiet griff einen neuen Zweig,die Leinweberei, auf. Die Schafzucht, welche auf den weitenHaiden des Clever-, Gelder- und Jülicherlandes im Mittelaltermit Erfolg betrieben worden war, machte dem Flachsbau Platz.Lange Jahrhunderte hindurch schaukelte die blaue Blume träume-risch ihr Haupt, um dann im Herbst geschwungen und gebrochen,von zarten Kinder- und Frauenhänden am Rocken gesponnen undvon Männern zu weisseil Linnen verwebt zu werden. Kauf-leute holten dann die fertige Leinwand ab, liessen sie inIlarlem bleichen und brachten sie als holländische Leinen inden Handel.
Unterdessen spann im fernen Süden mit emsiger Hastsich selbst und der Leinweberei der gefrässige Seidenwurmdas Todtenkleid. Seit Ende des XVII. Jahrhunderts beginntder Holländer von der Leyen in Crefeld seinen Handel mititalienischer Rohseide, und von dort aus dringt die Seiden-und Sammetindustrie unwiderstehlich im Flachlande vor, findetauch in Viersen. Siichtelen und Dülken einige unternehmendeKaufleute und verdrängt bis zur Mosel hinauf die Leinweberei,indem sie durch höheren Lohn sich neue Arbeiter wirbt.
Nur in Gladbach. Rheydt und Odenkirchen fasst seitEnde des vorigen Jahrhunderts die Baumwollenindustrie festenFuss, und es beginnt daselbst ein rheinisches Manchester sichzu bilden.
Forschungen (7) II. 2. Thun 1 .
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