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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

Die Bevölkerung sank von 40,000 Einwohnern, welche Aachen(nach Loersch) im XIV. Jahrhundert gezählt hat, auf 25,000;die Betriebsamkeit beruhte nur auf Schein. Da noch jährlichneue Fabrikanten sich daselbst niederliessen, schmeichelte mansich, dass die Vortheile, welche sich ihnen hier darboten, nirgendsüberwogen würden, und bedachte nicht, dass die einzige Auf-munterung lediglich in der Me nge von leer stehende n usernbestand,, die man zu billigen"Bremen miethen konnte. DaaücTTeine Anzahl von Badegästen die Stadt besuchte, scTTiessman sich durch den beschleunigten Geldumlauf und Waaren-absatz. durch die Lustbarkeiten und das Spiel zum Glauben anwirklichen Wohlstand verleiten. Aber die Folgen der total ver-fehlten Verwaltung waren auch dem blödesten Auge sichtbar: dieStrassen wimmelten von Bettlern" und die Sittenverderbnisswar allgemein. Wie konnte auch beim gemeinen Manne sicheine Spur von Bechtschaffenheit und soliden Grundsätzen er-halten, wenn er das Beispiel der schändlichsten Verschleuderungöffentlicher Gelder ungeahndet vor Augen hatte? Seine Kinderwurden Wolldiebe. Müssiggänger und Lottospieler, folglich balddie verderblichste Gattung von Bettlern; denn rohe Menschensind leichter der Tugend zuzuführen als gefallene.

Das sind die Zustände am Ende des achtzehnten Jahr-hunderts; -sie sind die Grundlage des Aachener Proletariatesund seines angeerbten Elends!

II. Die Maus- und die Fabrikiiidustrie.

Eine ganz abweichende Entwicklung hatte die Industriein den Nachbarorten genommen. Dort herrschte von Anfangan die hausindustrielle Betriebsform ; es kannten die Ein-wanderer keine andere Beschränkung als das Maass ihrer Kräfteund den Umfang ihres Vermögens, sie durften Arbeiter be-schäftigen, welche und wieviel sie wollten; Zunfjschranken gabes'mcht, und unternehmende Köpfe hatten freien Spielraum.Kaufleute mit mehr Capital theilten auch grössere MengenWolle und Garne zum Spinnen und Weben aus, machten diebilligeren Arbeitskräfte der Bauern sich dienstbar und erobertendurch ihr wohlfeileres Produkt entferntere Absatzgebiete. Sogab es am Ende des XVIII. Jahrhunderts schon Fabrikantenwie den Herrn von Clermont, welcher in Vaels, Aachen und: Burtscheid allein 160 Weher beschäftigte, und auf dessen Palastj die stolze Inschrift prangte: spero invidiam.

Auch in Aachen machte sich das Bedürfniss einerUmgestaltung des handwerksmässigen Betriebes mit allerMacht geltend, und die alte Gesellschaftsordnung vermochteden Entwicklungsprocess nur aufzuhalten, nicht zu verhindern.