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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

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Kaplan Dr. Norrenberg geleitet. Am Sonntag Nachmittag wirdden Mitgliedern Unterricht im Gesang, Unterweisung in jederArt Handarbeit und Gelegenheit zu passenden Spielen, Dekla-mationen, Gesängen, Vorträgen und sonstigen Unterhaltungengeboten ; dadurch wird bezweckt, die Mädchen zu einem pflicht-treuen, tugendhaften Lebenswandel aufzumuntern; im ViersenerVerein ist es specielle Aufgabe derMeisterinnen, die jün-geren Arbeiterinnen auch an Werktagen zur Frömmigkeit undjungfräulich sittsamer Haltung anzuleiten und in ihnen denStolz zu wecken,Vereinsmädchen zu sein. In Gladbachzählte der Verein im Jahre 1875 etwa 200 Mitglieder; an demUnterricht in Handarbeiten betheiligten sich 70, an den Gesang-übungen 120, an den gemeinsamen Unterhaltungen ausser denEinwohnerinnen des Hospizes noch 200 andere Fabrik-arbeiterinnen. Der Viersener Verein zählte 1878 sogar 370Mitglieder und ihm gehörten fast alle in der Haus- und Fa-brikindustrie beschäftigten jungen Mädchen von 1620 Jahrenan. Den Segen solcher Vereine wird erst derjenige voll be-messen können, der in Fabrikstädten das Treiben der Arbei-terinnen selbst beobachtet hat. Man kann mit Sicherheit an-nehmen, dass jeder Bursche mit seinem Schatz mindestenseinen Tagelohn (= 16 Procent seines Einkommens) am Sonn-tag Nachmittag verausgabt, meist ohne einen heiteren und an-ständigen Genuss. Die Regelung der Konsumtion durch einDarbieten passender Vergnügungen erscheint fast wichtiger alseine Erhöhung des Einkommens; an diesem Punkte haben dieArbeiterinnenvereine einzusetzen. Der Ton der Mädchen wirdanständiger, ihr Benehmen sittsamer werden. Auch auf diejüngeren Arbeiter müsste in ähnlicher Weise durch Vereineeingewirkt werden.

An die Seite der Geistlichkeit müsste der Fabrikanten-stand treten. Das alte patriarchalische Herrsehaftsverhältnissist zerstört, die gegenseitige Entfremdung hat lange genug ge-dauert und es ist die höchste Zeit, dass auf der neuen Basisder rechtlichen, socialen und politischen Gleichheit der Fabri-kant dem Arbeiter gegenübertritt nicht als Feind, sondern alsFreund, der in Folge seiner höheren Kultur die sociale Pflichtfühlt, auf die Erziehung desselben einzuwirken. Diese Pflichthat er der menschlichen Gesellschaft gegenüber, welche durchdie Gestaltung des Fabrikwesens leiblich und geistig, sittlichund wirtschaftlich untergraben worden ist, diese Pflicht hater den Eltern gegenüber, die ihr Theuerstes dahingeben, wennsie ihr Kind auf die Fabrik schicken. Dort können sie keineBedingungen für die Aufrechterhaltung der Religiosität undMoral, Gesundheit und Bildung ihres Kindes stellen, manwürde sie als Halbverrückte auslachen; dort herrscht die ab-solute Subordination unter die Rentabilität des Unternehmens,vor der alle jene Forderungen als sentimentale Anwandlungen