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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

nahmen. Der Geistlichkeit ist daher nicht der Vorwurf zumachen, dass sie die Kinder vom Besuche solcher Schulendispensirte, wohl aber der andere, dass sie ihren grossartigenEinfluss nicht genügend zn einer Hebung des Schulwesens be-nutzt hat. Wenn die neuere Schulpolitik lediglich daraufhinausläuft, die Kinder, welche sich nicht zur schlechtenSchule bequemen wollen, hineinzutreiben, so ist damit weniggenützt; die einzige Lösung der Frage liegt in der Einführungmehrklassiger Schulen, wie sie in Crefeld mit Erfolg errichtetworden sind. Bei so nutzbringendem Unterricht sehen diearmen Arbeiterfamilien hei ihren Kindern ein geistiges Kapitalsich ansammeln, welches wenigstens in der Zukunft das augen-blicklich verloren gehende Verdienst ersetzen kann. In dermehrklassigen Schule bereitet man dem Kinde eine Stätte, woes einen grossen Tlieil der arbeitsfreien Tageshälfte verbringenkann, ohne dass die Eltern in der Fabrik um dasselbe besorgtzu sein brauchen.

Eine solche Reform des Schulwesens verbunden mit einerstrengen Durchführung des Schulzwanges halte ich auch fürdas einzige praktische Mittel, der Ueberarbeitung der Spul-und Webjungen in der Seidenindustrie entgegenzutreten. Schonjetzt erklären sich in Crefeld bei der sechsklassigen Schule dieWeber durchaus mit dem Schulzwange einverstanden, obwohles ihnen schwer falle, das Verdienst der Kinder zu entbehren.Die Kontrolle ist in der Stadt eine äusserst strenge, denn dieVersäumnisse müssen am Nachmittag der Polizei angezeigtwerden und bereits am nächsten Morgen steht der Schutz-mann vor der Thür des Kindes, um es zu holen. Auf demLande beeilt man sich natürlich nicht so sehr, auch ist dieStrafe für die Schulversäumuiss eine lächerlich geringfügige,sie beträgt nur einen Groschen; zwar ist durch eine Polizei-verordnung die gewerbliche Beschäftigung von Kindern währendder Schulzeit bei Strafe von einem Thaler verboten, aber dieKinder sind fast nie bei der Arbeit zu ertappen, da sie sofortvom Spulrad oder Webstuhl anfspringen, sobald der Schutz-mann eintritt. Aber selbst bei einer Erzwingung des Schul-besuchs wird eine Ueberarbeitung nicht vermieden.

Ein Socialdemokrat im Wupperthale machte daher denradikalen Vorschlag, den Fabrikanten zu verbieten, Materialienzum Winden, Spulen, Knopfmachen und Aehnlichem an kleineAVerkstätten auszutheilen. Indess musste auch er zugestehen,dass durch dieses Verbot der überwiegenden Mehrzahl nachunschädliche Beschäftigungen untersagt und zahllose schöneVerdienste armer Frauen und Mädchen gerade im Schoosseihrer Familien unmöglich gemacht werden würden. Die Glad-bacher Industriellen plädiren für eine Ausdehnung des Kinder-schutzes auf die Hausindustrie gegenüber ihren Konkurrentenin der Viersen- Crefelder Gegend. Sie stellen die Arbeit der