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II. 2.
Stündchen in freier Luft umherzutummeln; trotz wahren Ileiss-hungers schlafen sie auf dem Schoosse der Mutter vor demButterbrote ein; diese wagt nicht, den kargen Schlummer desKleinen durch Kämmen und Waschen zu schmälern und siehtvoll Trauer das Kind unter ihren Augen verkommen. „DieMutter, die ihr Kind auf die Fabrik schickt, sie gleicht einemSchifter, der auf dem Lande stehend, seinen Kahn auf diehohe See stösst und ihn dem Spiel der Wellen überlässt.“
Von der Gutherzigkeit der Fabrikanten eine Verkürzungder Arbeitszeit zu erwarten, wäre offenbare Thorheit. Siestehen selbst unter dem Drucke der Konkurrenz und aus demgleichförmigen Zuge, in welchem sie marschiren, darf ungestraftdurch Verluste so leicht nicht einer heraustreten. Sie suchenvielmehr das Gesetz zu umgehen, wo sie können, und engagirenKinder aus Holland in der Hoffnung, diese der Kontrolle leichterentziehen zu können. Vor der jüngsten Reform der Gewerbe-ordnung erklärten sie getreu ihrer alten Taktik von 1853,grossmüthig auf die Kinder unter 14 Jahren verzichten zuwollen, wenn man ihnen volle Freiheit in der Beschäftigungder älteren gewähre, — ein Beweis, dass die Industrie jeneKinder füglich entbehren kann. Da nun andererseits die Regie-rung wie die liberale Reichstagsmehrheit leider eine Ausdehnungdes Normalarbeitstages auf die Frauen und das Verbot derNacht- und Sonntagsarbeit abgelehnt haben, so muss man sichvorläufig damit bescheiden und erwägen, wie mit den vorhan-denen Mitteln jene Ziele erreicht werden können. Das geschiehtdurch die Ausführung der bestehenden Gesetze, einmal dernegativ beschränkenden Fabrik-, dann der positiv gebietendenSchulgesetze. —
Zunächst handelt es sich um die Organisation der Fabrik-inspektion. Der jetzige Inspektor in Düsseldorf ist ein Mannvon der höchsten akademischen Bildung und den umfassendstenErfahrungen in allen Welttheilen, seine beiden Kollegen inAachen und Arnsberg sind Polizeibeamte, welche man gleich-falls durch Techniker zu ersetzen beabsichtigt. Kann mannun so gebildeten Männern zumuthen, den Polizeispion zuspielen, fortgesetzt nächtliche Ueberfälle in Fabriken zu ver-anstalten und Kinder zu inquiriren? Namentlich in grösserenBezirken dürfte Preussen samrnt all seinen gelehrten Inspek-toren gar bald einen grossen Rückschritt in der eigentlichpolizeilichen Beaufsichtigung der Kinderarbeit machen. Wasmag denn überhaupt das Ministerium bewogen haben, Fabrik-inspektoren solcher Art anzustellen? Offenbar weil die Me-dicinal-, Bau- und Gewerbedepartementsräthe ihr Amt in soausgefahrenem bureaukratisclien Geleise verwalteten, dass einefrische technische Kraft dringend von Nöthen war. Diese An-erkennung des Bedürfnisses nach sachverständigen Technikernneben formal juristisch, nicht einmal nationalökonomisch vor-