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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

den Schlaf und die Ruhe, welche ihm sonst die schrecklicheStimme des Werkmeisters raubten. Von einer Schulbildungwar keine Rede, viele wussten nicht ihr Alter und manchenicht einmal den eigenen Namen.

Das Auftreten des Fabrikbetriebes hatte die Untergrabungaller Grundlagen der überkommenen Kultur zur Folge. Eigen-thum und Ehe wurden erschüttert. Die alten Meister, die aufdem Lande lebten und das Anlagekapital der Industrie inWerkstätten und Werkzeugen besassen, sahen sich ohne Ent-schädigung expropriirt und mussten den heimischen Boden ver-lassen; die heiligen Bande der Ehe wurden durch die Frauen-arbeit gelockert, die Mädchen ihrer Ileimath, die Kinder ihrenEltern entrissen, die Gesundheit der Bevölkerung aufs tödt-lichste angegriffen, die geistige Entwicklung total gehemmt.Die Mädchen, die zu Müttern deutscher Männer bestimmtwaren, die Kinder, die dereinst als thatkräftig sich bewährensollten, sie mussten verkrüppeln, verdummen, verwildern.

Die Regierung merkte frühzeitig die drohende Gefahr undliess es an Anregungen und Verordnungen nicht fehlen. Seitdem Jahre 1824 sind dieselben unaufhörlich einander gefolgt,wie ich sie au einem anderen Orte ') zum Gegenstände ein-gehendster Darstellung gemacht habe und auf welche ich dahernicht zurückzukommen brauche. Am 9. März 1839 ist sogarein ausführliches Regulativ erschienen, welches freilich niemalspraktisch geworden ist, weil seine Durchführung den Orts-behörden überlassen blieb. Während sonst die gewerbefreiheit-liche Richtung überwog, sali die Staatsregierung sich dochendlich gezwungen, gegen die fabrikmässigen Betriebe mit einemAusnahmegesetz vom 1(5. Mai 1853 vorzuschreiten. Dasselbewar etwas ernstlicher gemeint: es untersagte die Beschäftigungvon Kindern unter zwölf Jahren und gestattete bis zum vier-zehnten Jahre nur eine sechs-, bis zum sechzehnten eine zehn-stündige Arbeitszeit; auch wurden für die Bezirke Düsseldorf,Arnsberg und Aachen drei Fabrikinspektoren zur Uebenvachungder Vorschriften angestellt. Gelangten dieselben zur Durch-führung ?

Die Regierung zu Düsseldorf fasste das Gesetz nichtstreng auf; in jenen reaktionären Zeitenbrauchte man dieLeute und der erste Bericht des Fabrikinspektors ist dem ent-sprechend mit den Augen eines Menschenfreundes abgefasst,der selbst unter dem entsetzlichsten Elend den guten Willen unddie Ansätze zum Bessern erspäht. Zum Glück für eine reichereKenntniss der socialen Zustände war er nur kommissarisch an-gestellt, und als er sich durch einen rheinischen Gross-industriellen beim Minister um eine definitive Anstellung be-

) Meine Beiträge a. a. 0. Berichte (1er Fabrikinspektoren seit 1854in den Acten der kgl. Regierungen zu Düsseldorf, Aachen und Arnsberg.