von 6—9jährigen Kindern üblich. Die Verrichtungen dieserin der Aachener Gegend sogenannten „Leikelkinder“ warennicht sehr schwierige. Sie hatten die Wolle oder Baumwolle,welche aus den Vorspinnmaschinen in langen Wülsten hervor-kam, anderen Maschinen zuzuführen; das Gespinnst wurdedurch das Vorurtheil als „griffiger“ bezeichnet, wenn solchesmit der Hand geschah. Mit Einführung der mechanischenSpinnerei fiel diese Verrichtung fort. Nun werden die Kinderam Spulen wie am Spinnen als sogen. „Fadenkinder“ be-schäftigt, welche die gebrochenen Fäden zusammenknüpfen,die Knaben mehr an den Selfactors, die Mädchen und Frauenbeim Vor- und Drosselspinnen zum Zuführen der Wolle oderBaumwolle, zum Auf- und Absetzen der Spulen, ferner heimKettenscheren und Weben, Noppen, Appretiren und Verpacken.
Die Beschäftigung von Kindern hatte auch bei früherenBetriebsformen stattgefunden, die Gestaltung der Kinderarbeitin Fabriken war aber eine neue Erscheinung. Erinnern wiruns, dass beim Fabrikbetriebe das Anlagekapital die Haupt-rolle spielt; daher jenes Sparen bei der Errichtung der Werk-stätte ohne Rücksichtnahme auf die Gesundheit der Arbeiter,daher aber auch das Streben, das einmal angelegte Kapital sovollkommen als möglich auszunutzen. Das geschah namentlichbei Spinnereien, ^vo die Produktion weniger durch die Intensitätder Arbeits- als der Kapitalleistung bedingt wird, durch dieAnwendung der billigsten Arbeitskräfte und die Verlängerungder Arbeitszeit. Je grösser die Chancen der Kapitalausnutzungwurden, desto mehr wurde drauf losgearbeitet, und statt dassdie Arbeiter ihren Antheil an der Gunst der Konjunktur durchVerminderung ihrer Arbeitszeit fanden, wurde dieselbe ver-mehrt. In den Aachener Tuchfabriken wurde während deshausindustriellen Betriebes von 7 bis 7 Uhr, nach Einführungder Maschinen von 6 bis 8 Uhr und während der Bliithe desamerikanischen Geschäfts sogar Nachts gearbeitet; ähnlich wares in den Spinnereien und Kratzenfabriken. Das Minimumder Arbeitszeit in den Textilfabriken war effectiv 12 Stunden;gewöhnlich betrug sie 14—15 Stunden, oft und zwar nach-weisbar 16—17 Stunden. Die Kinder arbeiteten stets in Reih’und Glied mit den Erwachsenen. Die ganze Arbeitszeit überblieben sie ununterbrochen in der Fabrik, selbst ihr Mittags-mahl . oft nur in einem Stückchen Brot bestehend, schlangensie zugleich mit dem Staube des Spinnsaals in sich hinein;von Bewegung in freier Luft war keine Rede, wo sollten siehei schlechtem Wetter und bei der Kälte in ihrer dürftigenKleidung hin? Das Resultat war: Schwächlinge, übermüdet,der Kopf grindig, die Augen triefend, die Brust schwindsüchtig,der Magen leidend: zum Militärdienst taugten sie nicht, in dieSchule kamen sie nicht, und verirrte solch ein Geschöpf sicheinmal dahin, so fand es wenigstens auf einige Augenblicke
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