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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

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Leben anzutreten und sich höheres Verdienst in der Fremdezu erringen. Gefällt es ihnen daselbst und haben sie ihr Vater-haus verloren; so bleiben sie bei der Fabrikarbeit, viele ziehenin gewissem Alter wieder heim. Daher der Ueberschuss derMädchen im Alter von 2025 Jahren in der Stadt Gladbach1867 um 21 Procent, in den fünf Städten des Kreises 1875um 32 Procent. Diese Masse von Familie und Heimatli los-gelöster und aus ländlicher Einsamkeit plötzlich in die Stadtunter fremde Menschen versetzter Mädchen ist eine neue Er-scheinung, eine Folge des Fabriksystems. Die grosse Aktien-spinnerei in Gladbach, welche im August 1855 ihre Thätigkeitmit 15,000 Spindeln begann und 1859 schon 1000 Arbeiterzählte, rief beispielsweise auf einmal mehr als 500 Mädchenherbei. Wo sollten diese im Städtchen wohnen? Dasselbewar auf solchen Zuschub nicht eingerichtet. Zwar hatte dieGesellschaft für Schlafsäle gesorgt und eine strenge Disciplineingeführt, sogar eine so strenge, dass jedes Mädchen, welchesbis 10 Uhr Abends nicht zu Hause war, ausgesperrt blieb.Nun hiess es für dieses erst recht: vogue la galere! DiesesInstitut war nie beliebt und ging in der Folge auch ein. Aelrn-lich verhängnissvoll wirkte für Viersen im Jahre 1864 dieGründung der Flachsspinnerei. Hier sollten englische Fein-spinnerinnen ihre deutschen Schwestern die schwere Kunst lehren;diese der mütterlichen Erde entrissenen Arbeiterinnen warenvöllig zügellos, ihr Beispiel wirkte zerstörend auf die sittlichenZustände; alle fremden waren zur Nachfolge geneigt und selbstdie sonst als sittenrein .geltenden Mädchen aus der Eifel kamenaus Rand und Band. Nirgendwo hat man die Arbeiterinnenan die Schlafsäle fesseln können, und selbst das vortreffliche,im Jahre 1868 gegründete Hospiz in Gladbach, in welchemalleinstehende Arbeiterinnen neben guter und billiger Be-köstigung und Wohnung auch Anleitung für die im Familien-leben vorkommenden Thätigkeiten finden, hat es nur währendder Wohnungsnoth der Glanzjahre zu einer Frequenz von 115(im Jahre 1872) und 105 Arbeiterinnen (im Jahre 1875) bringenkönnen; mit dem Rückgang der Industrie hat dieselbe beträcht-lich abgenommen.

Die Mädchen wollen eben ungebunden sein; sie sehen ihreFreiheit in voller Aufsichtslosigkeit und Zügellosigkeit. Habensie doch jung das Vaterhaus verlassen, um ihre Kraft in derWelt zu erproben. Selbst verdienen sie ihr Geld, selbst wollensie es auch ausgeben; über die wenige freie Zeit wollen siefrei disponiren, sie wollen weder befragt, noch kontrollirt sein.Daher miethen sie sich in Familien als Schlafgängerinnen ein.Greifen wir einen günstigen Fall heraus: ein junges Mädchenquartiert sich bei einem als sehr ordentlich bekannten Werk-meister ein; doch schon nach zwei Tagen verlässt sie das Haus,