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dem natürlich keine rosige; sie charakterisirt sich am bestendurch den Ausspruch: Wir müssen beten, arbeiten, hungernund dann droht man uns doch noch mit dem — Düwel!
Die frühzeitigen Ehen der Eltern, die frühe Arbeit derKinder in gekrümmter Haltung und in überfüllten Räumen,der Branntweingenuss der Jünglinge haben in den eigentlichenWeberorten durch Vererbung bereits einen Weberstand mit allseinen specifischen Eigenschaften erzeugt 1 ), fein Weber vonKindesbeinen ist leicht zu erkennen: der Teint wächsern undmatt, fast bleifarben, das Auge lebhaft, die Glieder schlank,die Arme fleischlos und dünn wie Kinderarme, die Hände zartund weiss, die ganze Gestalt athrnet mehr Gewandtheit alsKraft, der Mann ist ein Schwächling, mit fünfzig Jahren „ver-schlissen“, ein Schwindsüchtiger. Kein Wunder, wenn im Jahre1872 in Kempen unter den Webern der ersten Konkurrenznur 15 Procent tauglich waren; krumme Beine und Anlage zurTuberkulose waren die häufigsten Ursachen. Das sind die er-wachsenen Weber! Und nicht einmal das Kind im Mutterleibewird geschont, denn auf das härteste trifft denselben der Schlagder Lade. Sehr vortheilhaft zeichnen sich die Weber aus,welche erst später diesen Beruf erwählt und ihre Jugend aufdem Felde oder im Walde zugebracht haben.
Geistig sind alle Weber lebendig. Ein bewegliches Auge,welches dem hin- und herschiessenden Schiffchen mit Aufmerk-samkeit folgt und jeden zerrissenen Faden, jeden Fehler er-späht. Die Technik der komplicirteren Stoffe ist schon soschwierig, dass sie einen gewissen Scharfsinn und viel Kennt-nisse erfordert; sogar die Sammetweberinnen gelten nicht alsdie dümmsten Mädchen im Dorfe, weil sie eine „kritischeArbeit“ verrichten. Dazu kommt der äussere Schliff durchden öfteren Umgang mit Werkmeistern und Fabrikanten, denengegenüber sie stets auf der Hut sind, und der häufige Verkehrin grösseren Orten und in Wirthshäusern. Wenn auch ohnetiefere Schulbildung, erscheinen die Weber durchgängig alsintelligente und anstellige, aber furchtsam vorsichtige Männer.Das Gesellschaftslokal mit seinen beiden grossen braun tapezirtenRäumen, welches die Weber-Union sich auf mehrere Jahregemiethet hat, macht einen freundlichen Eindruck. Es waram Samstag Abend : anständig blickende Männer, den schwarzenRock über der blauen Blouse, die einen hinter der Zeitung,die andern an einer Partie Karten, die dritten, alte Leute,unterhielten sich gedämpft; dabei mässig gutes Bier, Cigarrenund Pfeifen, einzelne Hessen sich ein räthselhaftes Abendessengeben, — das war die Siesta der Webermeister nach gethanerWochenarbeit.
Es ist oft behauptet worden, namentlich mit Hinweis auf
') v. Hirsclifeld a. a. 0., S. 169 u. 179. — Keybaud a. a. 0., S. 37 ff-