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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

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andern Orten ist mitunter die Diele nur aus gestampftemLehm, manchmal liegt das Haus tiefer als der Erdboden, oderes ist doch die eine Wand vollständig feucht. Auch giebt eswahre Räuberhöhlen: nur fünf Schritt im Quadrat, zwei Web-stiihle, ein ordnungsloses Durcheinander von Kochgeräthen,Esswaaren, Schnapsflaschen, Weberkämmen, starrendem Schmutzund inmitten dieses drei wüste Gesellen beim Mahle. DieSchlafkammern sind gewöhnlich auf dem Boden und nur beiden Wohlhabenderen für Eltern und Kinder getrennt. Amtraurigsten sind die Zustände in Anrath, Hüls und' Vorst, besserin St. Tönis und Süchtelen.

In den entlegenen ackerbautreibenden Dörfern bilden dieSammetweber das Proletariat. Waren es doch die Tagelöhner,jüngeren Söhne von Bauern und andere arme arbeitsloseMenschen, welche sich bei günstiger Konjunktur der Industrieergaben; natürlich haben sie damit ihr elendes Dasein nichtverschlechtert, aber dasselbe ist jammervoll genug geblieben.Da sie indess gewöhnlich nur ein oder zwei Webstühle besitzenund man auf dem Lande nicht so beengt lebt, so wohnen sie,wenn auch vielleicht in dumpferen und kleineren Stuben, sodoch geräumiger, da Werkstätte und Aufenthaltszimmer häufig-getrennt sind. In reicheren Dörfern giebt es mehr besitzendeWeber; in Niederkrüchten z. B. soll ein Drittel derselbenLandeigentümer sein; ein Gewerbtreibender, der so sehr denKonjunkturen ausgesetzt ist, muss eben ä deux mains produciren.

Die Arbeiter auf dem Lande wohnen billiger, wenn auchkaum besser als in der Stadt; ihre Lebensmittel beziehen sieaber entschieden theurer, ausgenommen die Fälle, wo sie selbstein wenig Kartoffelland besitzen. Der Aristokrat des Dorfes,derBur verkauft nämlich die ganze Ernte direkt auf einemgrösseren Markte; die Krämer, namentlich wenn sie Kreditgeben, schlagen ungemein auf die Preise auf. In flotten Zeitenfüllen sich die Seiten des Büchelchens, beim Rückgang derKonjunktur müssen sich die verschuldeten Weber alle Zahlungs-bedingungen gefallen lassen. Einige Krämer haben z. B. inHüls Häuser auf Spekulation gebaut und vermiethen dieselbenihren Schuldnern. Nun ist die Ausbeutung perfect. Die Arbeitermüssen nach dem Liefertage all ihr Geld dem Krämer ein-händigen, und wenn sie sich Sonntags ein Gläschen Bier er-lauben wollen, erst die Groschen dazu ausbitten. Konsum-vereine sind aus naheliegenden Gründen auf dem Lande nichtentstanden; wohl hat man aber gesucht, auf zwei anderenWegen sich gegen den wucherischen Detailhandel zu schützen:man benutzt die Boten, welche die Ketten bringen, um Lebens-mittel und Kolonialwaaren aus der Stadt holen zu lassen, oderbezieht durch die Mitglieder der Weber-Union die billigenKohlen, Kartoffeln, Erbsen und Bohnen.