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II. 2.
einer Bevölkerung, welche zu zwei Dritteln und mehr ausWebern, Spulern und Windern besteht; selten fehlt in einemHause der Webstuhl. Die industriellen Arbeiter bilden denärmeren und besitzlosen Theil der Einwohnerschaft; in Hülsbesitzen von 1200 Weberfamilien nur etwa 100, in Anrathverhältnissmässig noch weniger ein Eigenthum, während inSt. Tönis ein grosser Theil derselben besitzend zu sein scheint.Koch seltener als der Besitz eines Hauses ist natürlich dereines Gartens oder Ackers.
Der Erwerb eines „Eigenthums“ ist das Ideal jedes Webers;ist damit der Anfang gemacht, so liegt darin der stärksteSporn zu fieissiger Arbeit wie zum Sparen; das „Eigenthum“wird zur Sparkasse des Meisters, wie der Fabrikant seineVorschusskasse bildet. Sie bieten einen freundlichen Anblickdar, die neuen auf den Aussensektionen belegenen einstöckigenrothen rankenumsponnenen Häuschen mit dem schmuckenZiegeldach, vom Garten umgehen. Im Innern halten sie auchmeist, was sie von aussen versprechen; sie sind hoch und luftig,reinlich und ohne Staub, wie es die Arbeit erfordert, der Weberselbst mit sauberen Händen. Die „Fabrik“, für zwei bis sechsWebstühle eingerichtet, ist geräumig genug; das Schlafzimmerist oben in der Mansarde, zur Seite eine kleine Küche, janeuerdings wird sogar ein „Fremdenzimmer“ eingerichtet, inwelchem sich die Familie am Sonntag aufhält. Solche Meisterführen eine ganz behagliche Existenz. Indess sind es ihrerverhältnissmässig nur sehr wenige. Viele haben alte Häuseraus früherer Zeit und leben nicht viel besser als die grosseMehrzahl der besitzlosen .Weber.
Diese bilden den überwiegenden Haupttheil der Arbeiter-schaft; sie sind nur im Stande für 90—120 Mark jährlich sicheine Werkstätte und eine Schlafkammer zu miethen. DieWohnungsverhältnisse sind hier elend genug. Die Werkstätteist in der Regel auch Küche und Wohnzimmer. . Der eiserneKochheerd steht an der einen Breitseite der Stube, der Ge-ruch der Speisen verunreinigt die Luft und die Hitze wirdnamentlich für den Zunächstsitzenden unerträglich. In diesemAufenthaltsraume drängt sich die ganze Familie zusammen;es spulen die einen Kinder, die andern spielen umher, dieMutter säubert die Kette und webt oder sie stillt den schreien-den Säugling. Die neueren Häuser sind höher gestochen, dieälteren sind oft nur so hoch wie der Webstuhl; häufig nimmtdieser fast die ganze Breite der Stube ein, meist stehen mehrereStühle in derselben; die Luft ist dumpf und während desKochens drückend heiss; im Winter kann nicht einmal gelüftetwerden, weil der Weber durch die anstrengende Arbeit inSchweiss gebadet ist; im Sommer ist das Alles besser. DieFenster sind oft blind und ein Halbdunkel herrscht selbst amTage in dem Raume. In Vorst, in Niederkrüchten und