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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

Brechen der Vertrage. Nicht einmal bis zu einem Zusammen-gehn in Form einer allgemeinen Arbeitseinstellung haben esdie Weber gebracht. Eine solche wäre hier auch ganz zweck-los. Der eine Hauptzweck von Strikes, die kürzere Arbeits-zeit, ist bei der hausindustriellen Organisation gegenstandslos,obwohl in der Stadt Lyon in früheren Jahrzehnten Feierstundenverabredet waren, bei deren Nichtbefolgung dem Meister dieFenster eingeschlagen wurden. In Beziehung auf die Lohnhöheaber sind gemeinsame augenblickliche Feststellungen durch dieMannigfaltigkeit der Erzeugnisse, die zu ihrer Herstellung einsehr verschiedenes Mass von Arbeitszeit, Kraft und Geschick-lichkeit erfordern, sehr erschwert. Eine Arbeitseinstellung beiaufsteigender Konjunktur ist überflüssig, da durch die Leichtig-keit des Ueberganges von einem Fabrikanten zum andern so-wohl eine Gleiclunässigkeit wie eine genügende Höhe des Lohneserreicht wird. Bei einem Rückschläge herrscht nur das all-gemeine Rette-sich-wer-kann, die Einzelnen linden sich nie zugemeinsamer That zusammen und diejenigen, welche wegender Einfachheit ihrer Arbeit am leichtesten gemeinsame Ar-beitsbedingungen aufstellen könnten, die Sammetweber, wohnenzerstreut in ländlicher Einsamkeit und betreiben die Arbeit zumTheil nur als Nebenbeschäftigung, vermögen daher zu vielgeringerem Lohn zu arbeiten als die professionellen Weher.

Freilich sind auch wiederholte Versuche einer festen cor-porativen Verfassung unternommen worden. Alsdie Weherdurch des Königs Majestät erlauchten Willen zu selbständigenHandwerkern erhoben waren, erhielten sie im Jahre 1849ihre erste .Organisation in der Weber- und Wirkerinnung;diese zeigte den besten Willen und grössten Thatendrang, gingaber in kurzer Zeit unter. Der Grund hiefür liegt auf derHand: die Lebensinteressen jeder Arbeitercorporation sind derLohn und die Regelung des Arbeitsangebots; auf keine dieserAngelegenheiten durfte die Zunft ihre Thätigkeit erstrecken,sie wurde einzig beschränkt auf das Lehrlingswesen. Nun istdieses ja gewiss sonst eine wichtige Aufgabe jeder Innung, abergerade bei dieser war sie von ganz untergeordneter Bedeutung.Der Aufschwung der Industrie hatte damals wiederum dasLehrlings wesen zerstört und das Niveau technischer Leistungherabgedrückt, die Prüfung der Lehrlinge war daher eine sehrwohlgemeinte, indess sehr unpraktische Institution. Je nachdem Standorte der einzelnen Artikel war bereits eine derartigeSpecialisirung der Weber eingetreten, dass es ganz zweckloswar, z. B. von einem glatten Sammetweber das Musterwebenzu verlangen. Die Examinanden gaben sich daher alle alsSammetweber aus, die Prüfung wurde sehr bald eine Spielereiund Beutelschneiderei zu Gunsten der Prüfungscommission,welche während der Sitzungen mehr an Diäten bezogen alssie zu Hause hätten verdienen können, ln kürzester Frist