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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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im Jahre 1831 die Meister einen Aufstand und bildeten Ge-sellschaften, um den Fabrikanten einen verbindlichen Tarifaufzuzwingen; im Jahre 1834 nahm die Bewegung eine poli-tische Färbung an und wurde niedergeschlagen *) In Crefeldwurde die Lohnliste vom 27. März 1848 von je fünf kaufmän-nischen und Weberdeputirten vereinbart; letztere waren vonWahlmännern bezeichnet worden, denen die Weber je einerFirma ihre Stimme gegeben hatten. Der Gemeinderath erhobdie Vereinbarung zum Ortsstatut, die Bezirksregierung zuDüsseldorf aber gab dasselbe zur nochmaligen Prüfung zurück,und als es fast unverändert blieb, erklärte sie es für ungeeignetund den Gesetzen nicht entsprechend; so blieb es bei einernur privaten Vereinbarung. Die Fabrikanten erklärten nunfernere Verhandlungen für fruchtlos und zogen sich zurück;die Weber allein bildeten eine Rumpfcommission, theils um dieVereinbarung aufrecht zu erhalten, theils um eine Innung insLeben zu rufen. Als letztere gebildet war und der Kommissionunter dem 19. Januar 1852 verboten wurde, ihre Genossenvon der Arbeit zu billigerem Lohne, als die Liste besagte,durch andere Mittel abzuhalten als durch gerichtliche Klage,da löste sich dieselbe auf. Viele Fabrikanten hatten sich vonAnfang an nicht an die Liste gekehrt, andere suchten ihr ver-pfändetes Wort zu halten, indess in den schlimmen Jahren185761 gelangten die Sätze derselben trotz der Oppositionund der Drohungen der Weber ausser Uebung. Dennoch istdie moralische Kraft der einmal vereinbarten Lohnliste unterden Webern so gross, dass sie noch heute nach deren Sätzenihren Lohn berechnen: so und so viel Procente über oder unterder Liste.

Ist eine Etablirung derselben denn überhaupt möglich?Vor allem gilt es, gewisse Missverständnisse zu beseitigen,welche mit dem WorteLohnliste verknüpft sind. Eine ein-fache Restauration der alten Sätze von 1848 und deren Gül-tigkeitserklärung für alle Ewigkeit ist natürlich unmöglich undich habe auch keinen Weber gefunden, der solches geforderthätte; der weitgehendste Wunsch zielte auf eine Dauer vondrei bis fünf Jahren ab. Dergleichen ist nicht undurchführbar;einige der hervorragendsten Fabrikanten erklären einen Lohn-satz z. B. für einfache Sammte für sehr wohl möglich; that-sächlich hatte sich auch eine Stabilität in dieser Branche er-halten, bis sie gleichfalls im allgemeinen Zusammensturze desJahres 1874 vernichtet wurde. Eine ganz allgemeine Fest-setzung der Taxe auf mehrere Jahre würde aber in einer Zeitsehr gesunkener Waarenpreise entweder zu einer allgemeinenUmgehung oder im Falle der Einhaltung zu einer Arbeits-

') Reybaud: Condition des ouvriers en soie 1859, S. 135.