140
II. 2.
schärft und findet in der politischen Parteinahine seinen Aus-druck. —
Die wechselnden Konjunkturen und die Krisen sind es,welche periodisch über die Industrie Unheil bringend herein-brechen. Sind denn nicht Massnahmen gegen ihre Wirkungenmöglich ?
Gegen eine Reihe von Einflüssen, wie Ausfall der Ernte,Wechsel der Mode, allgemeine wirtschaftliche Krisen, Kriege,auswärtige Zolländerungen, ist die Industrie schutzlos; sietreten übermächtig von aussen heran und müssen als unab-wendbares Schicksal getragen werden. Indess wird ihre Er-schütterung eine um so geringere sein, je grösser die Kennt-niss von dem Entstehen und dem Verlaufe der Konjunktur, jeeingeschränkter die Summe der unwissbaren Umstände ist;eine Reihe von Missgriffen aus blinder Furcht und unberech-tigter Hoffnung würden durch eine Vermehrung des Wissensbeseitigt werden. Das ist der erste Punkt, auf welchen dieAufmerksamkeit zu lenken ist.
Hat die Crefelder Kaufmannschaft stets ein entsprechendesUrtheil über die Lage des Weltmarkts bewiesen? Seihst derzuversichtlichste Fabrikant wird diese Frage nicht bejahenkönnen. Die wiederholten, nicht zu geringstem Theile in demMangel an Voraussicht und Umblick der Kaufmannschaftwurzelnden Ueberproduktionen haben an den Tag gelegt, dassdieselbe die erforderlichen Eigenschaften noch nicht be-sitzt. Es handelt sich hier nicht um die grossen alten Häuser,welche in der That überall Verbindungen unterhalten undauch meist eine richtige Produktionspolitik befolgt haben, eshandelt sich vielmehr um die kleineren Firmen, welche diegrosse Mehrzahl bilden; — sie sind es, in deren Interesse es einInstitut zu schaffen gilt. Wer bei ihnen eine genügende Fähig-keit zur Spekulation, zu jenem übernatürlichen, metaphysischenRathen auf die Wirkung, welche die unwissbaren Umständeder Konjunktur hervorbringen werden (wie Lassalle es geist-reich bezeichnet), voraussetzt, der ist ein blinder Schwärmerfür das Dogma der individuellen Tüchtigkeit eines jeden Unter-nehmers im Systeme der freien Konkurrenz und kennt dieSachlage ganz und gar nicht. Die Organisation eines solchenInstitutes würde keine andere sein können, als die einer grossenFirma, nur mit mehr Mitteln in grossartigerer Weise aus-gestattet und mit voller Oeffentlichkeit aller einlaufenden Be-richte. Wie die Seewarten über alle Meere und Küsten dasNetz ihrer Beobachtungsstationen ausgespannt haben und dieSchiffer warnen vor den Stürmen, welche im Anzuge sind, sosoll auch eine Warte der Konjunkturen durch Agenten in allenLändern und Handelsplätzen die Wechsel der Mode, des Be-darfs, der Ernte erspähen und durch ihre Signale die In-dustriellen benachrichtigen lassen. Es würden dann Manche