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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

geben, dass die Weblöhne pro Meter fertigen Stoffes von früher1.20 Mark und mehr auf 90 bis höchstens 95 Pfennige herab-gegangen waren; dazu waren die Ablieferungstermine derartverlängert, dass ein Sammetweher daselbst 8090 Pfennigetäglich verdiente. In noch schlimmerer Lage befanden sichdie Kattun weher, welche bei der Verarbeitung höchst schlechtenMaterials nach Abzug aller Auslagen für Oel, Schlichtmehl undSpulen kaum 50 60 Pfennige täglich nachbehielten. Dabeiwaren die Lebensmittelpreise, Miethen und Steuern auf ihreralten Höhe gebliehen. Die Ketten, welche die Weber sich jetztgefallen lassen mussten, waren verlegene und leicht zerreiss-bare, verbrannte und künstlich erschwerte Waare, die Kämmealt und oft so schmutzig, dass sie zum Zerreissen der Kett-fäden noch beitrugen. Sorgfältige Arbeit musste das schlechteMaterial wett machen; jetzt war die Kritik des Publikums, desSeidenwaarenhändlers und des Fabrikanten erwacht, daher ver-schärften sich die Kontrolle und die Abzüge wegen schlechterArbeit beträchtlich. Endlich wurde auch mit dem Einziehender Vorschüsse energischer vorgegangen. Der Fabrikant wareben in der Lage, sämmtliche Arbeitsbedingungen zu stellenund machte davon Gebrauch, oft in unbarmherzigster Weise J ).

Die Notli der Arbeiter war eine ausserordentliche. In demCentrum Crefehl mit seiner geringen Weberbevölkerung wuchsin den Jahren 187278 die Zahl der in offener Pflege unter-stützten Armen von 1045 (1874: 995) auf 1848, der Zu-schuss der Gemeindekasse für Armenpflege von 128416 auf180088 Mark. Im Weberdorfe Hüls stieg der letztere von6150 auf 15200 Mark; ausserdem hatten sich die angesehenstenMänner zusammengethan und etwa 320 Kinder bei sich ein-quartiert und beköstigt, um durch eine solche Natural Verpflegungeine Erhöhung der Steuerlast zu vermeiden. Jener Ort mitseinen 6200 Einwohnern in 1350 Haushaltungen besteht zu60 Procent aus Webern und Windern, wovon die Hälfte kaumdie halbe Zeit des Jahres beschäftigt gewesen war. Besondershart werden die Familien mit kleinen Kindern getroffen; heran-wachsende können schon mit verdienen helfen; anderseits ver-mehren die ersteren noch nicht das Elendgefühl der Elterndurch ihr Murren. Um bei vermindertem Lohne existiren zukönnen, wird, wenn eine Kette vorhanden ist, bis spät in dieNacht hinein gearbeitet, und was das bei mangelhafter Er-nährung für Folgen hat, vermag das Eintreten in die Stuben

0 Im Anfänge des Jahres 1877 starb in Viersen ein Sammetweber,der für ein nur zu wohlbekanntes Haus in Crefeld gearbeitet hatte undihm den Vorschuss für einen Webstuhl schuldete. Die Frau, welche ebenniedergekommen war, vollendete das Stück und brachte es in die Stadt.Man berechnete ihr den vollen Lohn, zog aber den ganzen Vorschuss aufeinmal ab und entliess sie mit vier Reichspfennigen. Die Wittwe hattevier unmündige Kinder und war ohne jegliche Mittel.