II. 2.
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der Durchsclinittssatz von 454 Mark im Jahre 1877 wohl imGanzen zutreffend ist, da die Stühle der Lehrlinge, Anfänger,Hausfrauen und Bauern ausser Betrieb gekommen und haupt-sächlich die der professionellen Weber in Arbeit geblieben sind.Das Jahresverdienst ist daher nicht nur um 15 Procent (von531 auf 454 Mark), sondern um weit mehr gesunken. Einebenso kompetenter wie unverdächtiger Fabrikant, Herr Ab-geordneter Seyffardt, gibt das Wochenverdienst eines Webersvon einfarbigem Sammet 1867 auf 10, 1872 auf 12, 1877 aufnur 9 Mark an; das ergibt ein Sinken von 25 Procent. Aberdas sind noch nicht die geringsten Verdienste. Der LandrathBödiker 1 ) berechnet im Kreise Gladbach das Wochenverdienstam 1. December 1875 und 1. April 1878 eines tüchtigenSammetwebers auf 16 bezw. 9 Mark, eines tüchtigen Seiden-webers auf 15 bzw. 9 Mark, eines weniger tüchtigen Arbeitersauf 12 bzw. 6 und 11 bzw. 6 Mark. Eine Konferenz von neunsehr angesehenen Webermeistern aus der Stadt Crefeld gabmir als Lohn pro Meter an: für Satin (4 Draht, 28 Feine,18 Zoll) im Jahre 1867: 1.80—2.10 Mark, 1872: 20 Procentüber, 1877: 20 Procent unter diesem Satze, und für Taffet(einfach mit geschorener Kette; 4 Draht, 32 Feine, 22 Zoll)1867: 2.50 Mark, 1872: 10 Procent über, 1877: 30 Proceutunter diesem Satze, welcher etwa der Lohnliste von 1848 ent-sprach.
Einem scharfen Rechner verdanke ich folgenden Bücher-auszug für ein Sammetgeschäft von mittleren Lohnverhältnissenund mittlerer Grösse mit etwa 300 Webern. Von diesen ver-dienten im Jahre 1877 nur etwa 1 Procent, ausnahmsweisefleissige und geschickte Arbeiter, Künstler ihres Faches, anden feinsten Qualitäten von Seidensammet 700 Mark, 9 Procentfleissige Arbeiter 550 Mark, 50 Procent Durchschnittsarbeiter,an einfachen Sammeten in der Erkelenzer Gegend 450 Markund 40 Procent träge und unsolide Weber, Lehrlinge undwenig geschulte Gesellen etwa 300 Mark jährlich pro Web-stuhl ; an demselben sind der Weber den ganzen Tag über,das Spulkind zwei Stunden täglich und die Frau mit demSäubern der Kette beschäftigt. Von jenem Bruttoverdienstegehen noch 20 Mark jährlich für Ruthen, Haken etc. ab. ImDorfe Niederkrüchten im Kreise Erkelenz habe ich Weber ge-funden, welche im Winter 1878/79 6—7 und nur in einzelnenArtikeln 9—12 Mark wöchentlich verdienten, in anderen aberwar der Lohn auf ein Drittel des früheren gesunken In denKreisen Erkelenz und Geilenkirchen hat es sich im Jahre 1877gelegentlich der Beurtheilung von Reklamationen bei derMilitäraushebung 2 ) aus den vorgezeigten Lieferscheinen er-
9 Gewerbliche Zeitschrift von Bueck, 1878, S. 25.f) Regierungsrath Goeschen: Bericht über die Lage der Industrie imRegierungsbezirk Aachen. Januar 1878.