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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

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sie gelobt, um in den Ruf nachsichtiger Herren zu gelangen.An die Lieferungen der Kinder können auch nicht die höchstenI Anforderungen gestellt werden, und wenn die Hausfrau webt,wird sie so oft und anhaltend durch ihre Haushaltungsgeschäfte| in Anspruch genommen, dass allenthalben die Absätze sichtbarsind. Vor allem rauben die erhaltenen Vorschüsse dem Weberdie Lust am Arbeiten, er holt sich zwei bis drei Ketten zu-j sammen und webt keine, weil er das Geld dafür schon langeI vertrunken hat. Der Meister sieht den entlaufenen Lehrlingneben sich den gleichen Lohn verdienen. Alle Begriffe vonArbeitsehre werden verwirrt; im chaotischen Taumel denktjeder nur daran, das meiste Geld herauszuschlagen.

Zwar ist das Material gut, denn zerreissbare Ketten lässt; der Weber einfach im Stich; aber das Gewebe ist flüchtigund viel Bemerkungen und Abzüge lässt der Meister sichnicht gefallen. Seufzend behält der Kaufmann die Waare,muss er ja doch, um seinerseits die Lieferzeit einzuhalten. Sosind Ablieferung schlechter Waare, Vertragsbruch und steigen-der Lohn an der Tagesordnung; jede Kalkulation auf einefernere Zukunft wird unmöglich, feste Preiskourante könnenkaum hinausgesandt werden, die gelieferten Waaren sind viel-fach schlechtere als die in der Faktura versprochenen, undum sich schadlos zu halten, mischt der Kaufmann unter guteWaaren schlechte alte Lagerbestände,um zu räumen. Dasnennt er: die Konjunktur ausnutzen, bei den Engländern undAmerikanern aber bildet sich über die deutsche Seiden-industrie das Urtheil: sie sei nicht honest.

Die sociale und wirtschaftliche Zerfahrenheit ist einevollständige. Die Fabrikanten erlauben sich allerlei luxuriöseAusschreitungen, jedoch nicht entfernt in dem Masse wie inAachen. Die Arbeiter treiben es schlimmer als ihre Herren.Das Wirthshausleben nimmt enorm zu. Wie schon der vonder Mensur rückkehrende Student sich Tage lang nicht be-ruhigen kann und das eine Thema variirt: so lag ich aus, soführt ich meine Klinge, so sind es hier die aus einem vielwürdigeren Kampfe fürs Vaterland heimkehrenden Krieger, dieder Familie, den Verwandten, der Freundschaft immer wiedervon neuem von den grossen Ereignissen erzählen müssen. Einjeder muss den Braven hören, ein jeder mit dem Wackernzechen, da gibt es manchen tiefen Trunk. Das Mädchen, daslange nicht den Schatz geselin, holt die versäumten Tänzedoppelt ein. Und was für Bälle sind es, die die Weber geben!In Niederkrüchten wird das Eintrittsgeld mit einem Zwanzig-Thalerschein bezahlt, der Rest wird ausgewechselt, bleibtaber natürlich bis zum letzten Pfennig im Lokal. Die Aus-gaben für Putz und Tand, Spiel und Trunk steigen ins Un-glaubliche, und wenn Streit entsteht, ist flink das Messer bei

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