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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

der Hand; hat der Arbeiter doch ein halbes Jahr im Feldegestanden, und bei vielen der sonst überwiegend sanftmüthi-gen Weber hat dies die Kühnheit und Rücksichtslosigkeitgesteigert, ja eine gewisse Rohheit erzeugt. Für die intensiveArbeit in der Woche halt man sich am Sonntag schadlos; weilbis zum Sonntag Morgen gearbeitet wird, blaut man amMontag, am Dinstag, am Mittwoch. Oder setzen die Weberdie Arbeit die ganze Woche hindurch fort, so gönnen sie sichviel Erholung; es wird das Werk um acht Uhr begonnen undschon um zehn durch das Frühstück unterbrochen; ebensowird Nachmittags um vier Uhr das Kind zum Nachbar nachKaffewasser für drei Pfennige geschickt, oft um fünf um sechsUhr wird Feierabend gemacht. Dann gehen die Weber mitihren langen Pfeifen aufs Feld spazieren, einer ruft: do wellnwe de Bur wat ärgern; gesagt, gethan; nun hansein sie denBauersmann hinterm Pfluge seiner schweren Arbeit wegen undfragen ihn. wie lange er noch wirken müsse, um einen Thalerzu verdienen.

Keineswegs alle Arbeiter haben den Vorwurf der Ver-schwendung und Faulheit auf sich geladen. Es gibt einenalten Weberstamm, unter welchem die nüchternen und spar-samen Hausväter für schlechte Zeiten ihre eigene Vorsehunggespielt und sich einEigenthum, so nennt man am Rheinein Häuschen, ein Gärtchen, einen Acker, erworben haben.Andere haben in sorglicher Voraussicht nach Möglichkeit anGenussmitteln angehäuft. Wer nur einmal in Nothjahren dieHäuschen der Weber durchmustert, wird finden, wie Alles imZustande des Zerfallens, des Auseinandergehens ist; in Glanz-zeiten dagegen finden sich neue Möbel und Betten, neueKleider und Wäsche. Das ist kein Luxus, sondern die natür-liche Folge davon, dass die Wirthschaftsperioden nicht ein-jährige sind, sondern mehrere Jahre und zwar unabsehbar wieviele umfassen. Freilich mag im allgemeinen Trubel manchesStück von besserer Qualität angeschafft worden sein, alsgerade nothwendig ist, aber der Begriff der Lebenshaltung istin diesen Zeiten ein anderer geworden. Aehnlich ist es mitdem erhöhten Fleischgenuss; er gibt während der guten Jahreden Eltern und namentlich den Kindern die Kraft, jene Zeitenzu überwinden, wo sie sich mit Kartoffeln, Brot und solchemFleisch begnügen müssen, das zwei Mal zum Wassersüppchenverkocht und dann in zwei Mahlzeiten als Fleisch verspeist wird.

Im Sommer 1872 hatte die günstige Konjunktur ihrenGipfelpunkt erreicht. Es betrug die durchschnittliche Anzahlder für Crefeld beschäftigten Webstühle in: