jungen Rekruten bilden Schenke und Kirmess den Werbeplatz;thun es Worte nicht, so vermag es ein Handgeld von fünfThalern; genügt nicht das Bier, so wird vom Weine einge-schenkt; Frauen und Kinder werden bewirthet, Tanz undSpiel machen sie zu Bundesgenossen gegen den störrischen |Willen des Vaters. Der Geselle, der eben ausgelernt, wird j;zum Meister erhoben und selbst der Knabe, der just das jvierte Stück gewebt, begegnet seinem ehemaligen Lehrherrn .1am „Galgen“. Webstühle werden bald beschafft, 10 bis 15 jThal er Vorschuss auf einen jeden gern geliehen, alte Webstühle, ,jjschon seit Jahren ausser Gebrauch, werden hingegeben oder Iverkauft, alte Jacquardvorrichtungen vom Boden herabgeholt iund aufgesetzt. Der Webwinkel des ärmsten Mannes wird jplötzlich zum würdigen Gegenstand eines Besuches, sein Weib jiund Kind lohnendes Objekt freundlicher Aufmerksamkeit. ij !„Wieviel erhalten Sie für diese schlechte Kette?“ ist j|.die leutselige Frage des eintretenden Werkmeisters. EineSumme wird genannt. „Ich gebe Ihnen eine gute Kette und 1zehn Procent Lohn mehr!“ Eine gute Ivette, erhöhter Ver- jdienst, ein Handgeld von ein paar Thalern sind dem Weber jeben recht, ein guter Trunk nicht unwillkommen; er schlägt ?ein in die gebotene Hand. So jagt ein Kaufmann dem andern !die Arbeiter ab, grosse wie kleine Firmen, und raisonnirendann Abends im „Kaufmännischen Verein“ über die Unzu- ;verlässigkeit der Weber. j
Die Löhne steigen 1870 um 10 Procent, in der Sammet- \branche im folgenden Jahre sogar um 40 Procent. Den Tag |über, ja bis Mitternacht wird gearbeitet; Mann, Frau und 'Töchter sitzen am Webstuhl, die Kinder am Spulrad, die eineMark Strafe für Scliulversäumniss macht sich im Monat reich-lich bezahlt. Und während sich die Weberei immer weiter :über das Land zerstreut, dehnen die Ilülfsgewerbe sich in der jStadt aus; es beginnt sehr stark an Winderinnen und \Schererinnen, Appreteurinnen und Packerinnen zu mangeln; !im Sommer 1871 — 73 steigen ihre Löhne um 50 -75 Procent, jDa sind die Dienstmädchen nicht mehr bei ihren Herrschaften j:zu halten, weit aus den Eisengegenden von Essen und Iluis- jbürg kommen die dort unbeschäftigten Mädchen herbei; in jkurzer Zeit verdienen sie viel und können sich kleiden wie ;„Damen“. j
Auf die Güte der Arbeit wird nicht geachtet. Das Pub- ilikum ist nicht wählerisch, der Fabrikant auch nicht. DieMenge, welche sich eben erst das Luxusbedürfniss angewöhnthat, besitzt noch kein Verständniss für die Waare; dieseheisst Sammet oder Seide und wird folglich gekauft. DieTausende neuer Weber sind anfangs nur im Stande, Probe-stücke aus schlechtem Material zu liefern und es dauert immerein paar Monate, bis die Waare tüchtig wird; dennoch wird