II. 2.
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von 37298 auf 59469 Thaler 1 ). Von einem Einhalten derLohnliste war keine Rede, zumal die Konkurrenz der billigenSchweizerlöhne sich wieder sehr fühlbar machte. Wie 1828die Seidenstoffweber gegenüber Zürich, so wollten nun dieSammetweber nicht von den alten Lohnsätzen abgehen undsuchten sich zu widersetzen. Indess vergeblich, zu Thatenkam es nicht, es blieb nur beim Gesänge:
Schweizer Lohn, do welln wir net für werken,
Yidernllala, viderallala,
Do söken wir liewer Perken (Regenwürmer).
Mit dem Jahre 1860 können wohl alle äusserlich bemerk-baren Missbrauche und Uebergriffe der Fabrikanten und ihrerBeamten als beseitigt angesehen werden, und es tritt seitMitte des Jahrhunderts derjenige Faktor immer deutlicher undisolirter hervor, welcher im Grunde einzig die Lage der Seiden-kaufleute wie der Weber bestimmt, — der Einfluss der Kon-junktur. Die grossartigste, glänzendste und folgenreichste istdiejenige gewesen, welche im Jahre 1868 anhob, 1872 ihrenHöhepunkt erreichte und endlich 1878 in ihrem Rückgängezum Stillstand gelangt zu sein scheint. Zur Zeit ihrer Blüthemag die gesammte rheinische Seiden- und Sammetindustriewohl mindestens 50000 Webstühle und 150000 Personen be-schäftigt haben.
Die Sammetweberei war bereits in den 1860er Jahrengewinnbringend gewesen; die billigen Löhne hatten die Kon-kurrenz überall niedergeworfen und durch die Verwendungvon billiger Baumwolle und Chappe- (Abfall)seide, aus welchergegenwärtig sieben Achtel aller Sammte bestehen, hatte mandie Waare der Konsumtion der weitesten Kreise zugänglichgemacht. Da fügte es das Glück, dass 1868 die Mode auchder andern Stärke Crefelds, den glatten Seidenstoffen, sichzuwandte. Zugleich stieg der allgemeine Begehr in Deutsch-land, in der ganzen Welt; Lyon und St. Etienne, die Metro-polen der Seidenindustrie, waren durch den Krieg brachgelegtund für sie trat Crefeld als Lückenbüsser ein. Die ganzeWelt kam und wollte Waaren haben, Waare um jeden Preisund zu jeder Güte. Crefeld war nicht vorbereitet auf dieseabnorme Nachfrage, abnorme Zustände traten ein; die Anzahlder Fabrikanten und Weber verdoppelte sich.
Vor allem fehlte es an Webern. Weitbin ins Flachlandund auf die Berge ziehen die Werkmeister als Werber für dieneue Kampagne; selbst die Fabrikanten verschmähen nicht,ihnen zu folgen. Alle früheren Weber finden sofort Be-schäftigung, ihre Frauen und Kinder müssen heran; die Lein-weber und Tuchmacher erhalten Sammetstühle. Für die
') Seyffardt: die Reform des 'Armenwesens (1874) und Bericht derstädt. Armen-Deputation zu Crefeld (1878).