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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

lohnender und ohne gesetzliche Kontrolle in der Hausindustriebeschäftigten.

Bei genaueren Nachforschungen envies es sich, dass dasVorschusswesen und das Losscheinsystem nur in den Weber-gegenden um Crefeld und Viersen herrschten; im bergischenLande waren diese Missbrauche gar nicht bekannt und in denKohlen-, Eisen-, Tuch- und Tabakbezirken gab es nur grosseEtablissements mit Fabrikarbeitern ohne Besitzthum, welchesdoch Vorbedingung der Kreditgewährung ist. Nur in Aachenwar das Arbeitsbuch noch üblich, doch auch nicht allgemein:die Vorschüsse beliefen sich nur auf einen Thaler und wurdenden Tuchwebern bei Ablieferung eines Viertels oder Drittelsdes Stücks, eines sogenannten Quartiers, als Theilzahlung ge-währt, Mit der Ausgabe von Quittungsbüchern handelte essich also um die Einführung eines völlig neuen Instituts unddie Regierung schlug daher die Aufhebung der betreffendenfranzösischen Gesetze über das Arbeits - und Quittungsbuchvor, welche in Anbetracht der eklatanten Missbrauche desVorschusswesens am 8. Juni 1860 ohne Widerrede erfolgte.

Zu ernsteren Beschwerden hat die Aufhebung des Arbeits-buches nicht geführt und ein begründeter Wunsch nach seinerWiedereinführung ist nicht ausgesprochen worden. Das Er-theilen grösserer Vorschüsse ist damit beseitigt worden, jedochist es Sitte geblieben, den Webern etwa fünf Thaler bei jederKette im Voraus zu geben, für deren Rückerstattung man imLohne eine Garantie hat. Das führt bei ansteigender Kon-junktur zu dem Missstande, dass die Weber nachlässig arbei-ten, weil sie einen grossen Theil ihres Lohnes anticipirt habenund der Sporn zu fleissiger Arbeit fehlt. Der gegenwärtig ineinigen Fabriken geforderte Losschein hat einzig die Bedeutungeiner Quittung über vollständige Ablieferung des anvertrautenRohmaterials und Geräthes an den früheren Arbeitgeber.Der Behülfschein hingegen enthält die Erlaubniss für denWeber, mit dem Lyoner Stuhl, den Kämmen, dem Jacquardund Harnisch für ein fremdes Haus arbeiten zu dürfen.

Die Konsequenzen des Vorschusswesens traten am schreck-lichsten nach der Krisis von 1857 zu Tage. Nunmehr begannein Rückgang, welcher verstärkt wurde durch die grosseSeidenraupenkrankheit seit 1859. Die Lage der Weber wurdeeine andauernd schlechte und erreichte im Jahre 1866 ihrentiefsten Stand, als während des Krieges drei Viertel allerStühle in der Stadt ausser Thätigkeit gesetzt wurden. In denfünf Jahren 1858 62 stiegen die Zuschüsse der Gemeinde-kasse für Armenpflege von 34251 auf 47730 Thaler unddiese Last wurde so unerschwinglich, dass die Stadt das alteSystem der Armenpflege aufgab und zum Elberfelder System über-ging; dennoch wuchsen auch noch jetzt die Zuschüsse 186366