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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

den höchsten Grad. Die einfachsten Rücksichten gegenüberden Arbeitern wurden nicht mehr genommen, die Missbraucheder Kaufleute und ihrer Untergebenen traten in ungeschmink-ter Nacktheit zu Tage, die totale Abhängigkeit der Weberwar offen dargelegt. Es zeigte sich, dass die patriarchalischenZustände thatsächlich mit der Wurzel beseitigt waren, dieihnen entsprechenden Rechtsverhältnisse sich aber erhaltenund thatsächlich wie rechtlich die Arbeiter an den Folgen derschlimmen Konjunktur zu tragen hatten. Ein Gedanke,welcher seit Jahrzehnten bei ihnen gedämmert, gedieh nunzur Reife: dass, wenn die Fabrikanten nicht mehr die altePflicht fühlten, in Nothzeiten etwas für ihre Weber zu tbun,diese sich selbst die Rechte nehmen müssten, welche ihneneine sociale und wirtschaftliche Selbständigkeit verbürgten.Nicht nur um die Beseitigung einzelner Missbrauche handeltees sich, welche der grosse Sturm mit Leichtigkeit wie Schnitzeldavonkräuselte, es handelte sich um viel mehr, um eine ganzneue Rechtsauffassung des Weberstandes, um eine veränderteOrganisation desselben, um seine Erhebung vom ausgebeuteten,besitzlosen, mit fremdem Werkzeug tätigen Arbeiter mitvöllig schwankendem Verdienst zu selbständigen Handwerks-meistern mit ganz gleichmässig gesichertem Einkommen. Derproletarische Weber sah sein Ideal im kleinen Bourgeois. Dagab es keinen Arbeiter, der nicht unfreiwillige Muse gehabthätte, im Stübchen allein und im Wirthshause mit den Ge-nossen alle Vergewaltigungen zu durchdenken und zu be-sprechen. Ein Register von Beschwerden und Forderungenwar entstanden, so lang, so stürmisch gefordert und so be-rechtigt, dass dieselben nicht länger versagt werden konnten.

Es war die höchste Zeit, als am 18. März je vier Mit-glieder der Handelskammer, des Gewerbegerichts und desGemeinderaths zusammentraten, Fabrikanten und Weber coop-tirten und unter Vorsitz des Oberbürgermeisters die Miss-stände zu untersuchen begannen. Aber noch fehlte es anernsterem Zwange und an einem Drucke von aussen. DieExcesse vom 21. März wurden eine heilsame Mahnung. DieAngst der Bürger stieg aufs Aeusserste, die Einen fürchtetenwieder für ihre Fenster, die Andern sahen bereits das rotheGespenst. Unter diesen Eindrücken kam die Vereinbarungvom 27. März zu Stande 1 ).

Was brachte das Jahr 1848 den Webern?

Vor allem die Abstellung von Missbräuchen der Werk-meister und Faktoren; die Provision der letzteren wurde fixirtund ihre Zuverlässigkeit von der Behörde geprüft.

Einen zweiten Erfolg erzielten sie mit dem Ankaufsämmtlicher Webstühle. Und mit diesen ihren eigenen Ge-

') Kgl. Regierung zu Düsseldorf I. III. 9. 7.