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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

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Den Kaufleuten fuhr ein panischer Schrecken durch alleGlieder; von der Leyen deponirte eine Lohnliste auf demRathhause, welche in streitigen Fällen gelten sollte, sie kamaber nie zur Anwendung. Seine Kollegen suchten sich nach-träglich am 1. December Muth zu machen durch Errichtungeiner Sicherheitswache, welcher alle Männer von 2150 Jahrenbeitreten mussten; sie hatten die Kraft des Volkes fürchtengelernt und wussten 20 Jahre später sich davor zu hüten.Das war das Vorspiel zukünftiger Ereignisse.

Jene Lohnreduktion erwies sich keineswegs als wirksam,einige der grössten Fabrikanten mussten noch ausserdem eineAnzahl von Webstühlen, welche sie nicht beschäftigen konnten,von den Webern einziehen; dazu traten verschlimmernd dieEreignisse des Jahres 1830. In der Folgezeit hob sich abertrotz der Schweizer Konkurrenz die Seidenbranche wieder undfand namentlich in Kordamerika guten Absatz, während aufdem Kontinent die Leipziger Messe der lohnendste Markt blieb.

Mit wechselnder Gunst eilten die Jahre dahin, bis 1846sämmtliche Umstände sich gegen Crefeld verschworen zu habenseidenen. Die Mode war ungünstig, der Absatz in Kordamerikaund im Zollverein stockend, die Handelsvermittlung mit demOrient durch die Einverleibung Krakaus unterbrochen, dieMissernte in Europa allgemein; die Fallimente auswärtigerHäuser erschütterten allen Kredit. Von 8000 für Crefeldarbeitenden Webstühlen geriethen 1000 in der Stadt und 2000auf dem Lande in Stillstand , direkt kamen 4500 Personen,indirekt 12,000 ausser Brot. Das folgende Jahr brachte zwareine bessere Ernte, sonst zeigte es das gleich trübe Bild.Einige Fabrikanten, die geringen Löhne auf dem Lande be-nutzend, Hessen dort mehr als in der Stadt arbeiten und er-höhten dadurch hier das Elend. Die städtischen Arbeiter be-gannen auszuwandern; während Crefeld sonst jährlich um10001200 Einwohner zunahm, verminderte es sich in diesemJahre um 51 Personen, obwohl die Geborenen die Gestorbenenum 400 übertrafen. Auf dem Lande überall das gleiche Bild:eingezogene Stühle, lange Ablieferungstermine und geschmäler-ter Verdienst; Meister arbeiteten für Gesellenlohn, Fabrikantenmit gewöhnlichen Meisterlöhnen konnten nicht mehr konkur-riren. Allenthalben grosse Lagerbestände, Geld- und Kredit-mangel, Fallissements! Voll Besorgniss ruft der Magistrataus: Kur ein Mal Geldmangel für Bezahlung der Löhne zurrechten Zeit, wer weiss, was dann geschehen kann 1 )!

Kam das Jahr 1848 mit seinen Ereignissen. MehrereBestellungen wurden zurückgenommen, die Lagerbeständeschwollen an, die Arbeitslosigkeit und das Elend erreichten

1 ) a. a. 0. Acta 14. Heft 8. Zeitungsbericht April Mai 1847.Jahresberichte der Handelskammer.

Forschungen (7) II. 2. Thun 1.

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