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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

losen und Landstreichern, welche kaum alle im Strassenbaubeschäftigt werden konnten '). Es verlor Crefeld seinensicheren Stapelartikel, die keinem Wechsel der Mode unter-liegenden Landestrachten in Russland und Polen in Folge derüberschwänglichen Zollerhöhung; die Fabrikation wurde ge-zwungen, die Richtung auf mehr oder weniger der Mode fol-gende Zeuge zu nehmen. Dadurch setzte es sich der Kon-kurrenz von Lyon und Zürich aus; beide Orte arbeiteten untergünstigeren Lohnverhältnissen für die Fabrikanten: ersteresmit einem nach der Konjunktur schwankenden, letzteres mitsehr niedrigem Arbeitslohn. Letzteres griff den CrefelderStapelartikel, glatte Seidenstoffe, mit aller Energie auf, ver-wandte so schlechtes Material dazu, wie ein rheinischer Webersich nicht gefallen liess, und nachdem die wenigen Jahreansteigender Nachfrage, in denen Crefeld den alten Umfangseiner Industrie aufrecht erhalten und damit die Ueberpro-duction beschleunigt hatte, vorüber waren, schlugen die ZüricherSeidenstoffe die Crefelder so entscheidend auf der Leipziger Messe,dass diese sich vor die Alternative einer Aufgabe der Stoff-fabrikation oder einer Herabsetzung des Lohnes gestellt glaub-ten. Der damals allgemeinen Tendenz in der deutschen In-dustrie folgend, erniedrigten alle vierzehn Firmen bis auf eineden Weblohn für glatte Seidenstoffe um 15 Procent, bei derherrschenden Ungleichheit aber nicht alle Löhne und nicht ingleichem Verhältniss; zugleich wurden die aus sehr verschie-denen und zum Th eil aus ganz alten Zeiten stammenden An-werbelöhne (Handgelder) nach einem gemeinsamen Massstabmöglichst geebnet. Daneben beantragten sie bei der Regierungeine Zollerhöhung und suchten sich durch verbesserte Färbereiund sorgfältigere Fabrikation konkurrenzfähig zu erhalten 2 ).

Die Arbeiter hatten schon im Oktober durch PlakateDrohungen ausgestossen, dennoch wurden am 3. November1828 die Löhne nach der neuen Taxe ausgezahlt. Da brachder Unwille unter den Seidenstoffwebern hervor; in der Nachtzogen sie mit Geschrei durch die Gassen und warfen miss-liebigen Fabrikanten die Fenster ein. Am nächsten Vormittagein neuer Auflauf; gegen Mittag zog der Haufe zum Thor hin-aus, um Nachts die Stadt wieder heimzusuchen. Da traf eineSchwadron Husaren ein. Das waren die Thaten desWipp-chens Corps, dessen Erinnerung noch bis heute im Volkefortlebt und dessen Spottruf sich als Karnevalslied erhält:

He finale, popp, popp, popp,

Eene löpt de Berg herop,

Kleivott, Look en de Box,

Jethe looks Lohn!

b C. W. Grote: Ilist.-geogr.-stat.-literär. Jahrbuch für Westfalen undNiederrhein 1818, II, S. 180.

'*) Rathhaus zu Crefeld, Acta 73, Heft 6, Bericht v. 4. u. 11. Nov.1828, auch 3. Heft 6 u. 11.