106
II. 2.
dessen rohe, aber witzige Einfälle eiiist des Abends Gelächterdie Strassen hinabschallte, ist verschwunden; die Mädchentreten ihr Regiment in Crefeld an! Fünfzig Procent Ueber-schuss der Mädchen in der Wonnezeit des Jugendlebens, —welche Folgen!
Die Ausdehnung der Weberei von Seide, Sammet, Baum-wolle und gemischten Stoffen in entlegene Gegenden erschwertedie persönliche Verbindung mit den Crefelder, Gladbacher undElberfelder Fabrikanten und hatte die Anlage von Factoreienzur Folge: die Firma setzte den Lohn fest und bezahlte ihrenFactor ausserdem. Theils waren die an einem Orte für einHaus arbeitenden Weber nicht zahlreich genug, um dem Factorein auskömmliches Verdienst zu sichern, theils suchte dieserdurch Uebernahme von Bestellungen auch anderer Firmen sichmehr Geld zu machen; kurz die Stellung der Factoren waranfangs die von Kommissionären, welche gegen Provision zufestgesetzten Löhnen die Ketten für verschiedene Firmenunterbrachten. Dies hatte den naheliegenden Missbrauch zurFolge, dass sie durch Verminderung des Lohnes ihre Ein-nahmen vergrösserten; die Fabrikanten erfuhren das und hörtenauf, die Provision zu zahlen. Nun waren die Factoren ledig-lich auf die Differenz des vom Fabrikanten ausgesetzten undvon ihnen gezahlten Weblolms angewiesen, sie übernahmenfür immer mehr Firmen Kommissionen und drückten dieLöhne immer tiefer. Je weniger eine Gegend Fabrikantenhatte, desto mehr hatte sie Factoren; es gab unter dieseneinige so niedrig stehende Individuen, dass sie wöchentlicheinige Mal mit dem Schiebkarren in den Ort kamen; je roherund wucherischer solche Factoren waren, desto grenzenloserwar die Ausbeutung der Arbeiter. Bei flottem Geschäftsgängew'ar der Weber gesucht und konnte seine Bedingungen stellen,in flauen Zeiten aber, wenn die Fabrikanten selbst keine Arbeitmehr hatten, hielten die Factoren noch einige Ketten auf-bewahrt und gewannen 25—30 Procent an dem ohnehin schonstark reducirten Weblohn. Diese Erpressung wurde noch ver-stärkt durch das Trucksystem und das Halten von Branntwein-sschenken.
j~ Die Fabrikanten thaten nichts gegen die im stillen
I schleichende Corruption; sie waren zufrieden, nur ja nichtsmit den Arbeitern direct zu tliun zu haben. An die Oeftent-lichkeit wurden diese Verhältnisse gebracht durch eine Petitionder Seidenweber in Kempen vom 25. Oktober 1848 an denHandelsminister; zahlreiche Ortsbehörden unterstützten dasGesuch und es zeigte sich, dass dieser Missbrauch namentlichbei den Baumwollwebern, welche für Gladbach arbeiteten, vor-kam. Am 10. Februar 1849 kam es zu einer Vereinbarungzwischen Webern, Fabrikanten und Factoren, wonach denletzteren 10 Procent vom Weblohn bewilligt wurde, für bäum-