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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
Entstehung
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II. 2.

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keine Gesellen oder nur gegen einen übermässigen Lohn; vorallem leisten ihm die eigenen Töchter keine Unterstützung inder Weberei, denn sie finden in den II ülfsgew erben eine unver-gleichlich besser gelohnte Beschäftigung. Der Meister mussalso allein arbeiten und verdient in der Stadt etwa 18 Markwöchentlich; da sagt er sich denn, dass er auf dem Landemit Gehülfen auf drei Stühlen Sammet leicht 36 Mark ver-dienen kann, von denen ihm nach Abzug von 1215 Markan die Gehülfen doch noch immer 2124 Mark verbleiben.Daher kommt es, dass in der Stadt Crefeld die Weber meisten-theils allein arbeiten, im Jahre 1867 hatten nur 17,3 Procentderselben zwei und mehr Webstühle, während in dem Land-kreise Crefeld, Kempen, Erkelenz, Geldern, Gladbach die ent-sprechenden Zahlen 49,8, 48,9, 43,4, 43,4 und 34,5 Procentlauteten 1 ). Dort ist die Weberei lohnender als die Feldarbeit,die ganze Familie sitzt am Webstuhl und Gehülfen sind billigerzu haben. Erst in ganz entfernten, rein landwirthschaftlichenGegenden, wie in den Kreisen Grevenbroich und Rees beweisendie 20,9 und 29,6 Procent, dass es meist nur ein einziger Stuhl ist,welcher den einsamen Bauer oder seinen Knecht im Winterbeschäftigt.

Das Heer der Weber steht schlagfertig und wohlausgerüstetim Fehle; vom grossen Hauptquartier aus, der Stadt Crefeld,leiten die Fabrikanten die Kampagne, unterstützt von ihrenIntendanten, den Rohseidehändlern, ihren Adjutanten, denKommis, und ihren Stabsofficieren, den Werkmeistern. Unterihrer unmittelbaren Aufsicht finden alle Vorbereitungen zumSiege in der Färberei, Winderei und Schererei und dieVollendungsarbeiten in der Appretur und Packkammer statt.Alle diese Ilülfsgewerbe haben ihren Sitz in der Stadt, nurdie Winderei zieht bereits den Webertöchtern nach in dieVorstädte und näher gelegenen Ortschaften hinaus. Die Arbeitersind mit Ausschluss der Färber in all diesen Beschäftigungenweibliche, ihre Verrichtungen sind sämmtlich äusserst leichteund alle städtischen Mädchen bis in den Mittelstand hinaufvon ihnen und von der damit zusammenhängenden Ivravatten-fabrikation und Konfektion absorbirt. Aber sie reichen nichthin, die Notlnvendigkeit städtischer Concentration steigert dieLöhne ganz unverhältnissmässig hoch, jeder Aufschwung derIndustrie führt eine Unzahl Mädchen der Stadt zu und einausserordentlicher Ueberschuss derselben in dem Jungfrauen-alter von 1825 Jahr tritt ein (Anlage VII). Damit ist dieindustrielle Physiognomie Crefelds als Weberstadt völlig ver-ändert; die typische Figur des Spulanen (Spuljungen), jenesVetters des Pariser Gamin und Berliner Schusterjungen, über

0 G. v. Hirschfeld: Die rheinische Hausindustrie in der Concordia1874, S. 161.