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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

billigen Löhnen, auf denen ja die Leistungsfähigkeit der CrefelderIndustrie beruht, nach und theilte die Stoffe mit dem geringstenMaterialwerth und von der einfachsten Technik bis an dieMosel und über die holländische Grenze an das Landvolk aus.Diese Strömung hat wohl 150 Jahre gedauert und vielleichthat sie bald ihre Grenzen erreicht; bald werden auch jene

Löhne schon zu hoch sein, in plötzlichem Umschläge werden

dann die entferntesten Stühle stillgesetzt werden und der Kreis-lauf von neuem durch die Etablirung der mechanischen Webereiin den Städten beginnen.

Die entferntesten Weber leisten am wenigsten; ihnen giltdas ^Gewerbe als Winterbeschäftigung für den sonst müssigeuKnecht oder für die Magd. Auch in den näher liegenden Be-zirken, wo die Weber schon den grössten Theil des Jahres amStuhle sitzen und die Feldarbeit von der Familie besorgen

lassen, gehen sie zur Saat- und Erntezeit aufs Feld und die

Fabrikanten haben sich schon auf diese Ausfälle an Lieferungeneingerichtet, welche bei den Sammten, welche nur eine Saisonhaben, auch weniger nachtheilig sind. Diese Arbeiter fertigendie einfachen Stapelartikel an; die schwierigeren und kunst-volleren, theureres Material enthaltenden Stoffe werden ihnennicht anvertraut, diese werden-ein paar Meilen im Umkreisevon Crefeld gewebt, in jenen eigentlichen Weberdörfern, welchein der Einleitung namhaft gemacht wurden und fast alle mitder Industriebahn erreichbar sind.

In der Stadt Crefeld haben sich nur die Kunst- (Para-menten-), Muster- und Modestoffweberei erhalten; diese er-fordern sehr kunstreiche Arbeiter, viel Aufsicht und es würdebeschwerlich fallen, die Jacquardvorrichtungen alle auf dasLand zu transportiren. Zwar finden sich auch heute Stühleauf glatte Stoffe z. B. für Regenschirme und vereinzelt sogarauf Sammte; auf denselben arbeiten aber entweder Greise,welche am Ende ihres Lebens ihre Arbeitsweise nicht ändernwollen oder Mädchen, welche der Vater nicht seiner Aufsichtentlassen will und für welche die Bewegung der schwererenund complicirteren Stühle zu viel Kraftanstrengung erfordert,oder solche Meister, welche 'aus momentaner Arbeitslosigkeitvorziehn, schlecht gelohnte Stoffe zu weben als völlig zu feiern.Im Allgemeinen kann man aber sagen, dass die Sammtband-.Plüsch- und Sammetstühle ihren Standort ausserhalb der Stadthaben und zwar um so weiter, je einfacher die Gewebe sind.Die Nothwendigkeit der Auswanderung ergiebt sich für denWeber aus folgender Berechnung. Nach der Kreisstatistikbetrug im Jahre 1869 der Jahresbedarf einer Familie mit dreiKindern: an Nahrungsmitteln -500 M. in Crefeld gegen 270 AI.auf dem Lande, an Wohnung 75 gegen 54 M., an Wäsche undKleidung 60 gegen 51 M., die übrigen Ausgaben blieben sichwohl die gleichen. Ferner findet der Meister in der Stadt