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Stuhl, zu welchem er sich das Geld schon früher erspart hatoder für welchen ihm ein Fabrikant die geringfügige Summe(etwa 90 M. für einen einfachen Sammetstulil) vorstreckt.
Allein kaum erfreuten sich die Weber ihres neuen Eigen-thums, als Verhältnisse eintraten, welche den früheren gleichenund bereits ähnliche Zustände hervorgerufen haben. Dieschweren Seidenstoffe nämlich leiden durch die starke Er-schütterung eines leichten Stuhles und bedürfen daher einessogen. Lyoner Stuhls; dieser ist aber so theuer (etwa 120 bis180 M.), dass der Arbeiter ihn nicht anschaffen kann, zumaler keine Garantie dafür hat, dass er in fortwährendem Ge-brauche bleibt. Noch grösser sind seine Bedenken gegen denAnkauf einer Jacquardmaschine, denn bei jedem Wechsel derBreite und des Musters muss auch die gesammte Vorrichtungund der Harnisch wechseln, und weil die gemusterten Stoffe inDeutschland nicht heimisch, überhaupt seit Jahrzehnten durchdie glatten verdrängt sind und die wenigen vorhandenen Stoffedem Wechsel der Mode rasch unterliegen, so wäre der Webergezwungen, ein beträchtliches Kapital (jedesmal 200—300 M.)für eine Jacquardvorrichtung anzulegen, welches keine Ver-zinsung finden würde. Die Lyoner Stühle wie die Jacquard-maschinen sind daher Eigenthum der Kauf leute, und sind dieseausser Stande, dieselben im Gange zu erhalten, so ertheilensie dem Weber einen sogen. Behülfschein entweder umsonstoder lassen sich von dem andern Fabrikanten eine Miethezahlen. Einige gestatten jedoch nicht, auf ihren Maschinenzu arbeiten, wenn sie in der Werkstätte noch eigene Musterhaben, deren Nachahmung sie befürchten; sie lassen dann denJacquard abheben und geben dem Weber andere, freilichweniger lohnende Arbeit. — v
Eine Ausdehnung der Seidenindustrie konnte im vorigenJahrhundert in dem Städtchen Crefeld nicht die genügendeAnzahl Arbeiter finden und man war schon gleich damals ge-nöthigt, diejenigen Verrichtungen in nahe Ortschaften zu ver-legen, bei welchen es die Betriebsform zuliess: das war dieWeberei. Schon 1750 werden zwei Filialen erwähnt, welchedie von der Leyen in Geldern und Aldekerk angelegt hatten.In immer weiteren Kreisen dehnte sich nun die Weberei aufdas Land hinaus; am Anfänge unseres Jahrhunderts wurdendie Sammetbänder schon allgemein auf dem Lande 1 ), dieSammetstoffe noch hauptsächlich in der Stadt Crefeld gemacht;in den 1840er Jahren aber waren den Sammetbändern auchschon die einfachen Sammte und die glatten halb- und ganz-seidenen Stoffe auf das Land gefolgt. Unter dem Drucke derSchweizer Konkurrenz ging die Weberei immer weiter den
b Golbery: Considerations sur le departm. de la Roer. S. 121. —(Ladoucette:) Voyage dans le pays entre Meuse et Rhin. 1818.