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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

Hause heimgekehrt, begann er am folgenden Tage den näm-lichen Rundgang; vom Wandern ermattet, von so vielen ab-schlägigen Antworten mürbe gemacht, unter der Nothwendig-keit für die Familie etwas mitzubringen, nach vielem Zeit-verlust verkaufte er endlich zu einem Preise, der oft nichteinmal die Auslagen und die verlorene Zeit deckte. Da nachvielen herben Verlusten entschlossen sich die Weber zumschweren Schritt, sie gaben die selbständige Stellung auf undtauschten die damals freilich vortheilhaftere, abhängige Lagedes Lohnarbeiters ein; der Preis der Kaufleute dafür war: dieUebernahme des Risicos der Materialanschaflüng und desWaarenabsatzes.

Dieser Schritt enthielt äusserlich eine um so tiefereDegradation, als die damaligen Weber nicht nur fremdesMaterial, sondern dasselbe auch auf fremden Stühlen ver-arbeiteten. Im XVIII. Jahrhundert hatte es so wenig Seiden-weber gegeben und dieselben waren so mittellos gewesen, dassdie Fabrikanten ihnen die grössten Erleichterungen hattenbieten und bei einer Ausdehnung der Produktion eigene neueStühle aufstellen müssen. Die Zunahme der Anzahl der Kauf-leute wie der Weber zog einen öfteren Wechsel derselben nachsich, das patriarchalische Verhältniss begann sich zu lockern, dieKaufleute brauchten nicht mehr zu befürchten, dass bergischeMonopolisten ihnen die Arbeiter abspenstig machen würden,und sahen sich des Zwanges ledig, dieselben auch in Nothzeitenzu beschäftigen. Um so weniger durften und wollten sie aberhindern, dass die Weber lange Zeit hindurch für fremde Firmenarbeiteten und der alte Principal blieb nur nomineller Eigen-tliümer ohne etwelchen Nutzen von seinem Webstuhl. Zugleicher Zeit wurden die Weber der Gewerbesteuer unterworfenund immer mehr gelangte bei ihnen der Gedanke zum Durch-bruch : wir sind freie Handwerksmeister und können wirken,für wen wir wollen. Den Fabrikanten war es auch schonrecht, wenn die Weber Eigenthümer ihrer lange besessenenStühle wurden, es konnte ihnen dann auch mehr anvertraut'werden; den neu entstehenden Firmen war damit ein grossesHinderniss der Etablirung aus dem Wege geräumt, wenn sievon den Auslagen für Webstühle entlastet wurden. So geschahes denn, dass einzelne Meister ihre Werkzeuge ankauften.

Indess es bedurfte einer stärkeren Veranlassung, um einenradicalen Eigenthumswechsel herbeizuführen. Es kam dasJahr 1848, der Selbständigkeitssinn der Weber schwoll mächtigan, sie wollten nicht mehr auf fremdem Geräth arbeiten und'eine ihrer wesentlichen Forderungen war: Ankauf der Weh-stühle. Dieselben wurden auf ihr Conto übertragen, und voneiner günstigen Konjunktur unterstützt, wurden sie durch Termin-zahlungen in kurzer Zeit Eigenthümer ihres lang ererbtenBesitzes. Seit jener Zeit etablirt sich jeder Weber mit eigenem