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1 (1879) Die linksrheinische Textilindustrie
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II. 2.

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stehen, welche zu wenig Techniker sind, um solche Neuanlagenbeurtheilen zu können, und die sich daher scheuen werden,ihre Betriebskapitalien in denselben zu riskiren. Deutlicherzeigen sich die Nachtheile in kaufmännischer Beziehung. Derkaufmännische Leiter der neugegründeten Firma mit seinerden Werkmeister überragenden Persönlichkeit und Bildunghat als Kaufmann ohnehin mehr Sinn für Handel, für Exportals für die Fabrikation und er glaubt es seinem früherenPrincipal nachthun zu müssen. Häufig mit grossem Geschickgreift er eine Specialität auf, poussirt sie aber ohne Einsehenin die Bedürfnisse des Markts und beschleunigt damit dieUeberproduktion. Ein jeder Fehlgriff des Kaufmanns fällt auchgleich auf den Fabrikanten; bei seinem Kredit- und Kapital-mangel muss er sich nun die niedrigsten Waarenpreise gefallenlassen und aus den falschen Speculationen der zahllosen kleinenHandelsleute ohne Uebersicht des Marktes summirt sich dievolkswirtschaftlich so gefährliche Ueberproduktion. In Frank-reich dagegen schiebt sich zwischen Konsument und Fabrikantals Mittelglied der Pariser Kommissionär; sein mächtiges Hausvermag schon eher die Preise zu halten und durch die Ver-bindungen in aller Herren Länder eine Ueberschätzung derNachfrage zu verhüten; in ihm potenziren sich mehrfach dieKapitalkraft und Intelligenz zahlreicher kleiner Firmen inCrefeld. Umgekehrt ist liier auch der grösste FabrikantDetaillist, versucht den kleinsten Yortheil zu erhaschen undbegegnet dem geringsten Anfänger auf den gleichen Märkten.Es streiten mit einander die beiden Principien: gute, tüchtigeFabrikation und Absatz an wenige Grosshändler und Massen-produktionund Massenabsatz an Jedermann.

Es hat lange» gedauert, bis Crefeld den Absatz seinerWaaren in eigene Hände nahm. Die von der Leyen verkauftendie Seidenzeuge nur neben andern Waaren auf den Messen,auch das reiche, durch viele Handelsverbindungen unterstützteElberfeld r ) führte Crefelder Waaren. In der ersten Hälfteunseres Jahrhunderts scheinen für den Absatz nach Osten dieLeipziger, nach Süddeutschland die Frankfurter Messe, nachSkandinavien und den überseeischen Ländern Hamburg undBremen von Bedeutung gewesen zu sein. Für den so wichtigenMarkt Amerika spielte Paris den Vermittler, erst seit 1888versuchte man sich dort durch ein eignes Personal vertretenzu lassen. Gegenwärtig ist Crefeld überall bekannt und hatauf allen Märkten seine Agenten. Aber etwas fehlt: ein ton-angebender und kauffähiger Markt im Inlande; Deutschlandist auf die Pariser Moden und Muster angewiesen und damitbehaupten Lyon und St. Etienne ihr Uebergewicht in diesenArtikeln. Auf Crefeld mit seinen billigen Löhnen und seiner

9 J. ('. Bohns, Wohlerfahrener Kaufmann 1789, I. S. 566.

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