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II. 2.
schleunigten und vergrösserten Umsatz das eigne Kapital raschzu vermehren. Er ist um so mehr dazu gezwungen, als eranfangs neue Weber und Arbeiter durch höhere Löhne an sichheranlocken muss, oftmals durch Abspenstigmachen und Ver-leitung zum Vertragsbruch. Solche Neulinge sehen am ehestenihren Kommis allerlei Unregelmässigkeiten durch die Finger,suchen Muster bei den Webern abzugucken und liefern ihrenKäufern gar nicht nach der Factura. Bei rückgehender Con-junctur sind sie in Folge ihres Kapital- und Kreditmangels inder grössten Verlegenheit, sie entlassen rasch ihre Arbeiter,verstehen sich zu den niedrigsten Waarenpreisen; unfähiggrössere Verluste zu tragen, verschleiern sie ihren falliten Zu-stand durch Wechselreiten und fristen ihr Dasein durch Drückender Löhne. Alle diese Gefahren liegen für die Anfänger ohnetechnische, kaufmännische und moralische Tradition näher alsfür grössere Firmen; sind sie doch in erster Reihe auf denaugenblicklichen Vortheil angewiesen.
Während der Crefelder Fabrikant fast von allen rein ge-werblichen Thätigkeiten durch Lolmanstalten entlastet ist,findet sich eine einzige Funktion wohl ausnahmslos mit ihmverbunden, die des Seidenkaufmanns. In Lyon ist das anders;dort ist der Fabrikant in der Hauptsache Techniker, welcherseine Specialität hat, die er zur höchsten Leistungsfälligkeitentwickelt, und der seine Waaren an die grossen PariserKommissionshäuser absetzt. In Deutschland bahnt sich einegrössere Specialisirung gleichfalls an, auch zählt man in Crefeldnicht weniger als 41 Grosshändlerin Seidenwaaren; die Haupt-masse der fertigen Stoffe vertreiben jedoch die Fabrikantenauf eigene Rechnung. Das hat den grösseren Vortheil, dasssie die jeweilig lohnendsten Artikel mit einer Leichtigkeit auf-greifen, welche stets ein Ruhm Crefelds gewesen ist; Lyonverstand das nicht sofort, als die Mode sich von den gemustertenauf die glatten Stoffe warf. Und gerade in Crefeld lässt essich nicht leugnen, dass es vielfach die jungen Firmen waren,welche mit der ganzen Energie jugendlicher Streber eine Viel-seitigkeit und Beweglichkeit anbahnten, welche den älterenHäusern mangelte, deren Leiter häufig zu weich gebettet sindund nicht genug Detailkenntniss und Unternehmungslust be-sitzen. Wem es da glückte, der wurde geachtet und aus derEcke im „kaufmännischen Verein“ avancirte er in die Mittean den runden Tisch unter dem grossen Candelaber und ver-lässt nunmehr den Club statt um 10 oder 11 schon um 9 Uhr.
Diese Vereinigung von Seidenfabrikant und Seidenkaufmannhat aber auch ihre Schattenseiten. In technischer Hinsichttreten dieselben noch weniger hervor, jedoch kann es für dieZukunft, wo ein Fortschreiten zum mechanischen Betriebeimmer mehr sich als nothwendig heraussteilen wird, bedeutsamwerden, dass an der Spitze der Unternehmungen Kaufleute